Ein Jahr lang wurde für den Jungen die elterliche Wohnung zur Folterkammer: Sein Stiefvater Linchon A. soll den 13-Jährigen regelmäßig vergewaltigt haben.
Doch bei seinem Geständnis vor Gericht zeigte Linchon A. von Reue keine Spur. Im Gegenteil: Breit grinsend spreizte er wie auf einer Showbühne seine Finger zum Victory-Zeichen, verhöhnte damit erneut sein Opfer.
Lässig in Jeans und bunt bedrucktem Hemd erschien der 39-Jährige vorm Münchner Landgericht. Die Vorwürfe gegen ihn lassen das Blut in den Adern gefrieren: Von Ende 2009 an soll er seinen Adoptivsohn regelmäßig zum Sex gezwungen haben.
Vergewaltigung und schwerer sexueller Missbrauch in 80 Fällen werden ihm zur Last gelegt. Laut Anklage hat er den Jungen immer wieder mit einem Ledergürtel und einem Schuhlöffel geschlagen.
Doch der Bar-Betreiber aus Markt Schwaben bei München scheint den Prozess kaum ernst zu nehmen. Lächelnd geht er zu seinen Anwälten, zeigt demonstrativ das Victory-Zeichen. Um nur Augenblicke später zu gestehen, Sex mit dem Jungen gehabt zu haben. Gewalt will er dabei nicht angewendet haben – und es sei auch nicht so häufig passiert, wie die Staatsanwaltschaft annehme, beteuert Linchon A.
Der Mann bestreitet sogar, den 13-Jährigen adoptiert zu haben. In seiner Heimat Trinidad und Tobago sei er mit dessen Eltern befreundet gewesen. Mit deren Einverständnis habe A. den Jungen nach Bayern geholt, als er eine deutsche Lehrerin heiratete. Zuletzt lebte er mit dem Jungen allerdings allein.