Erstes Party-Wochenende

Trotz HVV-Alkoholverbot: Es wird weitergetrunken

Von Silvia Haselhuhn und Erik Trümpler
60 000 dieser Infokarten im Postkartenformat hat der HVV drucken lassen.
60 000 dieser Infokarten im Postkartenformat hat der HVV drucken lassen.
Foto: dpa

Alstervergnügen, Kiez-Wahnsinn oder Motto-Party in den Vororten – Wochenende in Hamburg. Volle Pulle aber ist passé. Seit Donnerstag gilt das Alkoholverbot in Bus und Bahn. Sicherheitsbeamte sollen es durchsetzen. Leicht ist das nicht. Ein Abend auf Streife.


Hauptbahnhof, 23 Uhr: Der Party-Tross bringt sich in Stimmung, der Alkohol fließt in Strömen – nur einer steht mit ernster Miene und 0,0 Promille auf dem Südsteg.

Ein Stößchen auf das Alkoholverbot: Diese Jugendlichen tranken trotz der neue Regelung ihr Bier in der Bahn.
Ein Stößchen auf das Alkoholverbot: Diese Jugendlichen tranken trotz der neue Regelung ihr Bier in der Bahn.
Foto: dpa

Till R. (29) ist mit seinen drei Kollegen von der DB-Sicherheit auf Streife durch Hamburgs S-Bahnen. Neben den üblichen Sicherheitskontrollen muss er nun auch das neue Alkoholverbot des HVV überwachen.

Mit warmen Worten, Pfefferminzbonbons und einem Info-Zettel rückt Till R. an, soll Biertrinker dazu bewegen, ihre Buddel zu entsorgen. Noch kostet ein Verstoß nichts. Erst ab 1. Oktober werden 40 Euro fällig. „In diesem Verwarnmonat wollen wir versuchen, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen“, sagt S-Bahn-Boss Kay Uwe Arnecke.
Illusionen macht Arnecke sich nicht. Während des Saufgelages Alstervergnügen ist ein Verbot schwer umsetzbar. Gleiches gilt für Bundesliga-Spieltage oder den Hafengeburtstag. Verstärkung ist gefragt. Zum Ende des Monats kommen zu den 220 Sicherheitsleuten 50 hinzu.


Mit konzentriertem Blick steigen Till R. und seinen Kollegen in die Bahn. S1 Richtung Wedel. „Keine Kundschaft“, sagt der Sicherheitsmann grinsend. Am Jungfernstieg wechselt die Truppe in den hinteren Wagen.

Schon am Eingang stößt das Quartett auf Michael, Simon und Stefan. Alle 17 Jahre alt, alle mit Elvis-Tolle, alle klammern sich an ihre Bierflasche. Vom Alkoholverbot haben sie schon gehört. „Aber das gilt doch erst im Oktober, oder?“, sagt Simon. Nein. Die Security drückt ihm ein Infokärtchen in die Hand. Wird er sich künftig ans Verbot halten? „Ich gebe mein Bestes“, grinst er, „aber einfach wird es wohl nicht.“ Sein Bier behält er in der Hand. Seltsam. Eigentlich sollen die S-Bahn-Trinker an der nächsten Haltestelle aussteigen und ihr Bier entsorgen – oder es vor dem Bahnhof austrinken. Wer sich weigert und pöbelt, wird im schlimmsten Fall an der Haltestelle aus der Bahn geworfen.


Haltestelle Reeperbahn. Hier steppt der Bär. Till R. und Kollegen stoßen auf eine Gruppe alkoholisierter Jurastudenten. „Ich glaube, ich muss die Rechtslage mal checken“, flachst der blonde Basti. Sein Kumpel Gareb meint: „Niemand will Betrunkene in der S-Bahn. Das ist doch asozial.“ Trotzdem kritisiert er übertriebenen Aktionismus: „Am Donnerstag war ich auf dem Weg zur Uni und da kam an der S-Bahn-Haltestelle um viertel vor neun morgens die Durchsage, dass in der Bahn kein Alkohol getrunken werden darf.“ Wer sei denn um die Zeit mit Pulle unterwegs?

Till R. und seine Kollegen zieht es weiter zum Bahnhof Sternschanze. Hier herrscht angenehme Ruhe. Der 29-Jährige atmet durch, Pressesprecher Dirk Pohlmann erklärt derweil: „Es ist wichtig, dass die Sicherheitsleute den Nachtschwärmern locker und gelassen begegnen.“
Kumpelhaft auftreten sollen die Hünen – aber durchsetzen müssen sie sich dennoch. Ihre Statur hilft, flößt Respekt ein. Schnell werden Bierbuddeln versteckt oder abgestellt. Oder der Alkohol wird in eine unverfängliche Colaflasche umgefüllt. Not macht erfinderisch – und offenbart eine der Lücken des Verbots.

„Die Leute gehen mit der Situation relativ gelassen um“, sagt Pohlmann nach der Nacht auf Streife. Die meisten wüssten von der neuen Regelung. Tendenziell habe man weniger Leute mit Bierflasche in der Hand gesehen als sonst und die Bahnen seien sauberer gewesen. Tatsächlich? Till R. wird weiter ein Auge drauf haben.

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Datum:  5.9.2011
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