Eigentlich war in der Modellwohnung am Krähenweg (Niendorf) eine heiße Gruppensex-Party geplant – doch statt eines Gangbangs gab es einen Polizeieinsatz. Eine der Prostituierten ging mit Lattenrost und Messer auf ihre Kollegin los, ein Freier wählte 110. Am Mittwoch stand die Hure vor dem Amtsgericht.
Die hübsche Natalie L. (22) nennt sich im Job „Michelle“. Derzeit lebt sie von Hartz IV. Freund und Baby warten auf dem Gerichtsflur. Gemeinsam mit Kollegin „Sandra“ (42) machte sie sich im April 2010 mit einem Mini-Bordell in einer Wohnung am Krähenweg selbstständig. Doch schon am dritten Tag kam es zum Eklat.
„Ich hatte am meisten zu tun, weil ich jung war und am besten aussah. Trotzdem habe ich weniger verdient als vorher“, sagt Natalie L. Sie bemängelte das Abrechnungssystem und den niedrigen Eintrittspreis für die Flatrate-Sexpartys. Als sie Kollegin „Sandra“ zur Rede stellte, eskalierte der Streit.
„Sandra griff zum Telefon und sagte ihrem Freund, dass er mich aus ihrer Wohnung werfen sollte, in der ich lebte. Dann sagte sie: ,So, jetzt hast du keinen Job und keine Wohnung mehr.‘ Ich dachte, meine Existenz ist vernichtet“, sagt Natalie L.
Die junge Prostituierte packte daraufhin ihr Bett zusammen. Als sie den Lattenrost in der Hand hielt, drehte sie sich um – und zog der Kollegin das Holz über den Kopf. „Das war keine Absicht. Sie hat sich aber gleich theatralisch fallen lassen. Und als sie sagte: ,Ich bring dich in den Knast‘, habe ich die Kontrolle verloren und das Brotmesser geholt“, sagt sie.
Mit dem Messer fügte sie der Kollegin eine leichte Schnittwunde am Oberschenkel zu, außerdem erlitt sie Prellungen im Gesicht. Auch Hure „Sandra“ sagte gestern aus. „Ich dachte, Natalie will nur das Bett abbauen. Aber plötzlich hat sie mich geschlagen. Ich war so benommen, dass ich das mit dem Messer gar nicht mitbekommen habe“, sagt sie. Und: „Das mit dem Lattenrost war bestimmt kein Versehen, bei der Wucht.“
Die zwei Freier schritten ein. Einer nahm Natalie L. das Messer ab, der andere rief 110. „Ich war perplex. Mit so etwas rechnet man ja nicht, wenn man sich einen schönen Abend machen will“, sagt einer der Männer (49).
Das Urteil: Natalie L. muss 1050 Euro Geldstrafe wegen Körperverletzung in einem minderschweren Fall zahlen. „Es ist zwar nur ein längerer Kratzer gewesen, aber eine gefährliche Aktion war es doch“, sagt der Richter. Natalie L. hat ein Anti-Gewalt-Training begonnen. Außerdem will sie sich in Psychotherapie begeben, um sich künftig besser im Griff zu haben.
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