Reisepässe legen Verbindung nahe

Verfassungsschutz in Nazi-Terror verstrickt?

In Dresden demonstrierte das Nazi-Trio mit Gesinnungsgenossen  gegen die Wehrmachtsausstellung.
In Dresden demonstrierte das Nazi-Trio mit Gesinnungsgenossen gegen die Wehrmachtsausstellung.

Die Mörder-Troika aus Zwickau, durchgeknallte Einzeltäter im Untergrund? Nein, viel spricht für ein Netzwerk aus Querverbindungen zwischen dem Killer-Trio, dem Verfassungsschutz und sogar der NPD – wir zeigen den tiefen Sumpf.

Neben mindestens zehn Morden sollen 14 Banküberfälle auf das Konto des Trios gehen. Drei Tage vor dem letzten Banküberfall in Eisenach wurde in Döbeln der Besitzer (41) eines Döner-Imbisses von einem Maskierten erschossen – ist auch er ein Opfer der Nazi-Killer?

Unglaublich: In den Trümmern der explodierten Zwickauer Wohnung wurden sogenannte „legale illegale Papiere“ gefunden. Dass heißt, Ausweisdokumente von real existierenden Personen.

„Solche Papiere erhalten im Regelfall nur verdeckte Ermittler, die im Auftrag des Nachrichtendienstes arbeiten und vom Nachrichtendienst geführt werden. Das heißt: Die in enger Zusammenarbeit mit dem Nachrichtendienst agieren“, so der innenpolitische Sprecher der Union, Hans-Peter Uhl (CSU), zu „Bild“.

Ein Verfassungsschutz-Skandal? Offiziell wusste die Behörde nichts vom Aufenthaltsort von Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Z. Doch zumindest Z. soll noch mehrmals nach dem Untertauchen Kontakt zu V-Männern der Geheimdienstler gehabt haben. War einer von ihnen Tino B.?

Das ist das Killer-Trio

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Der heute 36-Jährige gilt als Mitinitiator des „Thüringer Heimatschutz“ (THS), in dem zumindest auch die beiden Terror-Bomber aktiv waren. Im Jahr 2001 kam heraus, dass B. seit 1994 für den Verfassungsschutz unter dem Decknamen „Otto“ spitzelte und dafür 200.000 D-Mark kassierte.

Im Klartext: In einer Zeit, in der Mundlos und Böhnhardt untertauchten, arbeitete einer ihrer Kumpels für den Verfassungsschutz. Der Verdacht liegt nahe: Hat Tino B. von seinem V-Mann-Führer Interna erfahren und an seine Kumpel weitergegeben?

Auch politisch machten die Kameraden der Killer Karriere. Wie Ralf W. (36). Er brachte es bis zum NPD-Vize-Landeschef. Es gibt Fotos von 1996, auf denen er gemeinsam mit Böhnhardt und Mundlos in Erfurt beim Prozess gegen den Holocaustleugner Manfred Roeder für Angst und Schrecken sorgte.

Vier Jahre später saß er im Vorstand. Übrigens: Wie Spitzel B. war W. einer der führenden THS-Köpfe.

Eine mysteriöse Rolle könnte auch Patrick Wieschke spielen. Der 30-Jährige tritt heute als hauptberuflicher Landesgeschäftsführer der NPD Thüringen auf, stammt auch aus dem früheren Umfeld des Nazi-Trios.

Brisante Verstrickungen, die den Verfassungsschutz in Erklärungsnot bringen. André Schulz, Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, findet es seltsam, wie schnell sich die Bundesanwaltschaft „zur Gruppierung der Täter festgelegt hat und wie schnell über zwei Dutzend Aktenordner mit Erkenntnissen über die Täter präsentiert werden konnten“.

So arbeiten Rechtsextremisten

Der Rechtsextremismus in Deutschland wird immer noch unterschätzt“, warnt Bernd Wagner. Der Ex-Kriminalbeamte kennt sich in der braunen Szene gut aus. Er hat in Berlin das Aussteigerprogramm „Exit“ für Rechtsextreme gegründet.

Wagner warnt: „Es gibt Gruppen, die daran arbeiten, terrorismusfähig zu werden.“ Speziell ausgesuchte Personen seien dabei, „eine Untergrund-Struktur“ zu schaffen, Waffen und Sprengmittel zu beschaffen. „Oft gehören nicht mehr als zwei bis vier Leute dazu.“

Sie arbeiten nach einem neuen Prinzip des „führerlosen Widerstands“: „Solche Zellen pflegen keinen Kontakt mehr zu rechten Kameradschaften, um keine Mitwisser zu haben.“ Weitere überraschende Erkenntnis: Auch Frauen rücken in die Spitze gewaltbereiter rechter Gruppen auf. Wagner: „ Manchmal steigen sie sogar bis an die Spitze von Untergrundzellen auf. “

Dagegen hält Wagner den Vergleich zur Roten Armee Fraktion (RAF) für überzogen. „Die RAF war strategisch und taktisch ganz anders aufgestellt. Sie war auch weit professioneller organisiert.“

26.600 Deutsche gelten als rechtsextrem. Im jüngsten Verfassungsschutzbericht wurden für vergangenes Jahr 762 rechtsextreme Gewalttaten registriert.

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Datum:  13.11.2011
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