Es ist ein kleines Juwel, das da seit fast 20 Jahren zwischen Schanze und Kiez verrottet. Damit soll endlich Schluss sein, fordern Aktivisten der „Recht auf Stadt“–Bewegung – und besetzten die „Schilleroper“ am Neuen Pferdemarkt am Sonnabend kurzerhand. Die Polizei beendete die Aktion.
Vor 120 Jahren wurde der runde Bau für einen Zirkus errichtet – daher die zeltähnliche Form. Später wurden hier Dramen und Opern aufgeführt, Hans Albers stand hier angeblich zum ersten Mal auf der Bühne, ein Hotel zog ein, billige Arbeitskräfte und Asylanten wurden untergebracht und bis 2006 feierte die Szene in einem Club die Nächte durch. Seitdem steht der Bau trotz vieler hochtrabender Pläne leer – auch zum Verdruss der Bezirkspolitik.
Die untersagte einen Abriss der denkmalgeschützten Stahlkonstruktion. Die privaten Eigentümer, eine verstreute Erbengemeinschaft, wollten mit Neubauten groß Kasse machen und verklagten die Stadt. Das Verwaltungsgericht Hamburg schlug Anfang des Jahres einen Kompromiss vor: Der Bau wird ein Stück versetzt und bleibt so erhalten. Auf den frei werdenden Flächen wäre dadurch Platz für gewinnbringende Pläne der Eigentümer. Doch passiert ist immer noch nichts – der Bau steht leer.
Deshalb besetzten am Sonnabendnachmittag rund 70 Aktivisten für mehrere Stunden das Gebäude. Die Protestler fordern eine kulturelle Nutzung des Gebäudes. Am Abend rückte die Polizei an, stellte von zehn Personen die Personalien fest und beendete die friedliche Aktion.
Leerstand bei gleichzeitiger Wohnungs- und Flächennot – da platzt auch Politikern der Kragen: „Die Schilleroper ist eines der traurigsten Beispiele, wie Eigentümer mit wertvollen Gebäuden und Flächen umgehen“, so SPD-Stadtentwicklungsexperte Andy Grote. „In dieser Situation ist das ein Desaster. Aber wir können die Eigentümer zu nichts zwingen.“ (MN)
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