Alteingesessene St. Paulianer sind auf den Barrikaden: Sie kämpfen für ihre Wohnhäuser über der legendären Esso-Tanke am Spielbudenplatz. Die 110 Wohnungen sollen abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden.
Zierlich wirkt sie, die 65-jährige Eveline Madejski. Doch eines hat die ehemalige Klo-Frau in 20 Jahren auf dem Kiez gelernt: Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt. Gestern trat sie das erste Mal in ihrem Leben vor die Presse. Bei einer Pressekonferenz in der Kneipe „Planet Pauli“ am Spielbudenplatz sagte sie: „Mir gefällt es in meiner Wohnung. Ich liebe das bunte Leben hier im Haus. Hier entstehen doch rundherum immer mehr Schicki-Micki-Bauten. Wenn ich hier rausmuss, finde ich doch nichts mehr auf St. Pauli.“
Zusammen mit anderen Bewohnern der 1960 erbauten Häuser hat sich die Rentnerin, die von allen nur Evi genannt wird, zur Initiative „Esso-Häuser. Wir sind kein Objekt“ zusammengeschlossen. Gestern präsentierte die Initiative ein Gutachten, aus dem hervorgeht, dass die Häuser zwar sanierungsbedürftig, aber gut zu erhalten seien.
Jahrelang hatten die Besitzer der Esso-Tanke, denen die Häuser gehören, die Gebäude verfallen lassen und schließlich an das Münchener Unternehmen „Bayerische Hausbau“ verkauft. Das wollte ursprünglich abreißen und bis zu 200 neue Wohnungen bauen. Aktuell gibt sich das Bauunternehmen gesprächsbereit und sagt, dass es noch keine Entscheidung über den Abriss gebe.
Unterstützung bekommt die „Bayerische Hausbau“ von der Politik. Mitte-Bezirksamtsleiter Markus Schreiber (SPD) sagt: „Ich halte die Gebäude nicht für erhaltenswert. Bei einem Abriss werden wir aber darauf achten, dass die Bewohner bezahlbaren Wohnraum bekommen.“ Andy Grote, SPD-Stadtentwicklungsexperte in der Bürgerschaft, ergänzt: „Ohne eine bindende Vereinbarung über den Bau von Sozialwohnungen und ein Rückkehrrecht der Bewohner wird es keinen Abriss geben.“
Die Bewohner sind skeptisch. Andreas Hofstetter (46): „Das ist ein Kiez-Biotop hier in den Häusern und das soll es auch bleiben.“
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