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Kessel-Schlacht vor 70 Jahren: Deutsche Veteranen: So erlebten wir die Hölle von Stalingrad

Dieter Peeters bei dem Vormarsch auf Stalingard im Sommer 1942
Dieter Peeters bei dem Vormarsch auf Stalingard im Sommer 1942
Foto: privat

Stalingrad. Für einen Tag trägt die russische Stadt Wolgograd am Samstag wieder diesen Namen: zum Gedenken an die blutigste Schlacht des Zweiten Weltkriegs. Sie endete genau vor 70 Jahren mit der Kapitulation der Wehrmacht. Stalingrad – wie kein anderer Name steht das für den Schrecken des Krieges. Rund 500.000 Soldaten der Roten Armee kamen um.

Die 6. Armee der Wehrmacht, die in der Stadt eingekesselt wurde, verlor über 260.000 Mann. Erschossen, erfroren oder später in der Kriegsgefangenschaft qualvoll verhungert.

Stalingrad steht auch für das Massaker unter der russischen Zivilbevölkerung. Allein in den ersten Wochen der Kämpfe kamen bei den Angriffen der Luftwaffe 40.000 Bewohner der Stadt ums Leben. Sie mussten auf Befehl des sowjetischen Diktators Stalin in der Stadt bleiben.

Die Hölle Stalingrad. Unsere Zeitung fand zwei deutsche Veteranen im Rheinland, die sie erlebt und überlebt haben. Sie gehören zu den wenigen Soldaten der 6. Armee, die noch Zeitzeugen sind und wie ihre russischen Feinde von damals das Grauen nicht vergessen können...

"Die Helme froren an unseren Köpfen fest"

Ende August erreichte meine Einheit Stalingrad“, erzählt Dieter Peeters (92). „Wir gingen tatsächlich davon aus, dass mit der Einnahme der Stadt unser Ziel erreicht sein wird und das Kriegsende bevorsteht.“

Der Düsseldorfer ist damals 21 Jahre alt und bereits seit 1941 als Soldat an der Ostfront.

Und an der vordersten Front erlebt er die Grausamkeiten des Krieges. Allein am 25. September 1942 verliert seine Division 750 Soldaten. Jeden Tag muss er miterleben, wie seine Kameraden im Kessel sterben.

Nachdem sie von den Russen beschossen worden waren, bemerkte er einen Kameraden, der am Boden lag. „Unter seinem Stahlhelm trat Blut hervor, das am Hals herunterlief. Er deutete auf seine linke Brusttasche. Ich fand darin einen Brief an seine Eltern“, schreibt er in seinem Buch „Vermisst in Stalingrad“. Kurze Zeit später erfährt Peeters, dass sein Kamerad verstorben ist.

Am 19. November 1942 ist Dieter Peeters in Stalingrad, als die 6. Armee eingekesselt wird. Seine Einheit führt von nun an einen aussichtslosen Kampf.

Leutnant Werner Gösel, 1943
Leutnant Werner Gösel, 1943
Foto: privat

Die Temperatur fällt auf minus 40 Grad. Die Eingekesselten haben oft keine Winterkleidung, und sie müssen hungern. „Unsere Verpflegung wurde immer knapper. So verringerte sich die tägliche Brotration auf nur eine Scheibe von fünfzig Gramm.

Neben den vielen alltäglichen Problemen beschäftigten wir uns mit dem hoffnungslosen Kampf gegen die Läuse und Flöhe. Zudem führte die ständig zunehmende Kälte dazu, dass einem der Stahlhelm am Kopf festfror“, schildert Dieter Peeters.

Die meisten seiner Kameraden sterben jetzt an Hunger und Kälte und nicht durch den Beschuss der Roten Armee. Er und der Rest seiner Einheit werden am 29. Januar 1943 von den Russen gefangen genommen. Für ihn beginnt der lange Weg in die russische Gefangenschaft. Erst 1949 kommt er zurück nach Deutschland.

"Von 1200 Mann kehrten nur drei zurück"

Die Brigade bestand vor dem Angriff auf Stalingrad aus 1200 Mann. Nur drei von ihnen kehrten nach dem Krieg nach Deutschland zurück. Einer von ihnen ist Werner Gösel.

„Ende Juli stieß meine Sturmgeschütz-Brigade 244 in Richtung Stalingrad vor“, erinnert sich der 92-jährige Düsseldorfer. „Ich war 22 Jahre jung und glaubte damals, dass wir die Stadt schnell einnehmen werden. Schließlich haben wir seit dem Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion die Rote Armee bereits in mehreren Kesselschlachten geschlagen.“

Der Düsseldorfer Werner Gösel heute
Der Düsseldorfer Werner Gösel heute
Foto: privat

Seine Einheit stieß schnell in die Stadt Stalingrad vor, doch dann kam der Vormarsch zum Stehen. Die Rote Armee leistet in Stalingrad erbitterten Widerstand. Gekämpft wird um jeden Meter. Bei den Häuserkämpfen erweisen sich die Panzer der 6. Armee als nutzlos. Schon bald liegt die russische Metropole komplett in Trümmern. Doch die verschanzten Russen schießen weiter aus den Ruinen.

„Wir steckten fest in der Stadt. Im November lag meine Einheit noch immer in der Nähe des Traktorenwerks im Zentrum“, erzählt Veteran Gösel.

Am 10. November trifft eine russische Granate seinen Panzer. „Ich kann mich gar nicht daran erinnern, was danach geschah. Mir wurde später erzählt, dass die Kameraden mich aus dem brennenden Panzer rausgezogen haben. Mehrere Splitter steckten in meinem Körper. Schwer verletzt brachte man mich später zu einem Lazarettflugzeug. Noch bevor der Kessel von den Russen am 19. November geschlossen wurde, flog man mich aus Stalingrad aus.“ Das war sein Glück.

Für Werner Gösel steht längst fest: „Der Oberbefehlshaber Friedrich Paulus und Adolf Hitler sind für mich die größten Verbrecher dieses Krieges. Sie haben uns in diesem Wahnsinnskrieg sinnlos geopfert.“

Stalingrad: Die größte Schlacht

Nachdem die Wehrmacht am 22. Juni 1941 die Sowjetunion überfallen hatte, stieß die 6. Armee der Wehrmacht im Sommer 1942 in den Süden Russlands vor. Hitlers Absicht war es , die sowjetischen Ölfelder im Kaukasus zu erobern. Außerdem sollte der Transport von Nachschub für die Russen über den Fluss Wolga unterbrochen werden.
Zunächst lief für die Wehrmacht alles nach Plan. Im Herbst 1942 konnte sie bereits rund 90 Prozent der Stadt einnehmen. Doch dann schlug die Rote Armee zurück. Bei einem Gegenangriff im November kesselten die sowjetischen Einheiten die 6. Armee ein, schnitten sie so ab.
Der Oberbefehlshaber der 6. Armee, Friedrich Paulus ( 66), wollte mit seinen Soldaten aus dem Kessel ausbrechen, aber Adolf Hitler befahl: Stalingrad halten! Deutsche Truppen sollten der 6. Armee zur Hilfe eilen. Doch der Versuch, den Kessel von Stalingrad zu knacken, scheiterte. Am 2. Februar 1943 musste die 6. Armee kapitulieren. 110000 deutsche Soldaten gingen in Gefangenschaft, nur 5000 kamen nach Kriegsende zurück aus den russischen Lagern in die Heimat.

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