Weil er keinen Personalausweis besitzt, wurde Steve V. (33) Freitag zu 300 Euro Buße verurteilt. Der Lok-Führer gab seinen Ausweis, der erst 2016 abgelaufen wäre, beim Einwohnermeldeamt ab und holte ihn dort trotz etlicher Aufforderungen nicht ab.
Hintergrund für diesen kuriosen Fall: Steve V. glaubt nicht an die Rechtmäßigkeit Deutschlands. Für ihn, wie für seine Freunde, die Rechts-Konsulenten, existiert immer noch das Deutsche Reich.
Und deshalb trägt er auch einen Ausweis bei sich, der ihn als „Bürger des Deutschen Reichs, geboren in Preußen, Pommern, Provinz Berlin“, bezeichnet. Richter Günther Hennig: „Für Sie gilt die Ausweispflicht wie für alle anderen Deutschen.“ Antwort: „Ich bin Angehöriger des Deutschen Reichs. Das andere ist wie eine Firma oder ein Verein. Und Firmenausweise habe ich genug.“
Vor Jahren brachte ihn ein türkischer Arbeitskollege auf diese Theorie. „Er sagte immer, ich sei staatenlos. Also habe ich mich im Internet schlaugemacht.“
Stapel Unterlagen hatte er zum Prozess mitgenommen, allerdings nicht vorgezeigt. „Das hatte keinen Sinn. Ich wusste ja, dass ich keine Chance habe.“ Für Richter Hennig eine „einfache Sache“. Er verurteilte Steve V. wegen „vorsätzlichen Nichtbesitzens eines Personalausweises“: „Sie wollen hier ihre politischen Ansichten durchsetzen. Sie sollten prüfen, ob Sie da richtig liegen.“
Steve V.: „Ich werde dagegen angehen. Notfalls bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.“