In seinem früheren Leben war er Boxer. Jetzt kämpft er für Allah – und schreckt die Behörden auf: Pierre Vogel (32), Deutschlands schrägster – und für viele Experten gefährlichster – Islamprediger. Morgen Abend tritt er ab 18 Uhr am Dammtor auf.
Die Veranstalter gehen von rund 2000 Teilnehmern aus, sagte ein Sprecher der Polizei am Freitag. Zudem haben verschiedene Gruppen kleinere Gegendemonstrationen rund um den Dag-Hammarskjöld-Platz geplant.
„Wir gehen aber von einem störungsfreien Verlauf aus“, sagte der Sprecher. Die Kundgebung des deutschen Konvertit in der Hansestadt wurde wenige Tage vorher angemeldet. Die Polizei hat den Veranstaltern aber bestimmte Auflagen erteilt: Beispielsweise dürfen sich die Teilnehmer nicht vollständig vermummen, Frauen und Männer dürfen nicht voneinander separiert werden, sagte Polizeisprecherin Ulrike Sweden.
Vogel, der dem verfassungsfeindlichen Salafismus zugerechnet wird, hat im Rhein-Main-Gebiet eine treue Gemeinde. Der Vize-Chef des Bundesverfassungsschutzes, Alexander Eisvogel, schätzt die Zahl der Salafisten deutschlandweit auf etwa 2500 Anhänger und 200 Hauptakteure.
Salafismus bezeichnet eine besonders strenge, rückwärtsgewandte Strömung im Islam. Dessen Vertreter streben nach Angaben der Verfassungsschützer eine Gesellschaft nach den Regeln der islamischen Rechtsordnung Scharia an. Sie lehnten die Demokratie und die rechtsstaatliche Ordnung des Grundgesetzes ab.
Aber wer ist dieser Vogel?
Als Jugendlicher geht er gerne in die Kirche im Rheinland, spielt beim 1. FC Köln Fußball, sitzt im Sportinternat mit Franziska van Almsick in einer Klasse und boxt so gut, dass er im Vorprogramm von Vitali Klitschko auftritt.
Vogel begeistert sich für den Islam, weil der „auf wahren, unverfälschten Quellen basiert“. 2001 konvertiert er und beendet seine Karriere als Profi-Boxer, weil die gegen den Islam verstoße. Er heiratet eine Marokkanerin. 2004 geht er nach Mekka (Saudi-Arabien), um den Koran zu studieren und ihn „später in Deutschland argumentativ verteidigen zu können“. 2006 kommt seine Tochter zur Welt, er kehrt zurück.
Per Zufall verbreitet sich ein Video von ihm. Er wird schnell immer populärer. Denn der Charismatiker erreicht die muslimische Jugend, weil er, anders als eingeflogene Imame, ihre Sprache spricht, ihr Leben kennt. Sie sind besonders empfänglich für radikale Thesen.
Im April soll Vogel in Frankfurt gesagt haben: „Ich bin ein muslimischer Fundamentalist, und das ist auch gut so!“ Er wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Demnach hängt er der radikalen Richtung der Salafisten an. Die legen den Koran wörtlich aus, gelten als integrations- und demokratiefeindlich, lehnen Terroranschläge aber ab. „Die Vorstellung des von ihm vertretenen Salafismus ist nicht mit dem Grundgesetz vereinbar“, sagt der Hamburger Verfassungsschutz. Vogel strebe in letzter Konsequenz einen Gottesstaat an. In einer Videobotschaft befürwortet Vogel das Steinigen von Frauen, die Ehebruch begangen haben, oder das Handabhacken bei Dieben in muslimischen Staaten. Frauen sollen ihr Gesicht verbergen. Innensenator Michael Neumann (SPD): „Salafisten wie Pierre Vogel sind in Hamburg nicht willkommen!“
Die Schweiz hat ihm 2009 die Einreise verweigert. Hier gilt das Versammlungsrecht für Vogel. Er ist schlau genug, öffentlich keine strafrechtlich relevanten Thesen zu propagieren. Die Polizei hat Auflagen erlassen: Das Publikum darf nicht zwangsweise nach Geschlechtern getrennt werden, es gilt das Vermummungsverbot. Erwartet werden 1500 Anhänger.
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