Die Suche nach der Infektionsquelle für die EHEC-Epidemie wird immer verworrener. Inzwischen widersprechen sich selbst die Experten: Während die einen weiter vor Gurken warnen, handeln andere plötzlich Burger als Killer-Keim-Träger. Schockierend: Die Infektion könnte ihren Ursprung auf dem Hafengeburtstag haben. Und auch ein Lübecker Gasthof steht im Fokus der Experten.
Hafengeburtstag
Nach Informationen des Magazins „Focus“ hält das Robert-Koch-Institut neuerdings den Hafengeburtstag für eine mögliche Quelle der Epidemie. Rund 1,5 Millionen Menschen feierten vom 6. bis zum 8. Mai an der Elbe, eine Woche später wurden die ersten EHEC-Patienten im UKE eingeliefert. Gesundheitsbehörde und Robert-Koch-Institut dementierten den Bericht gestern: Großveranstaltungen widersprächen dem „Profil des EHEC-Ausbruchs“.
Lübecker Gasthof
Bei der Suche nach dem Killer-Keim führt eine heiße Spur nach Lübeck: 17 Menschen erkrankten, nachdem sie zwischen dem 12. und dem 14. Mai das Gasthaus „Kartoffelkeller“ besucht hatten. Eine Besucherin ist mittlerweile gestorben.
Eine Gruppe dänischer Touristen kehrte ebenfalls in dem Restaurant ein. Mehrere von ihnen infizierten sich. Genau wie ein Kind aus Süddeutschland, das nach dem Restaurantbesuch schlimmen Durchfall bekam.
Mitarbeiter des Robert-Koch-Instituts ermitteln jetzt mit Hochdruck, haben den Gasthof unter die Lupe genommen. Ein Mikrobiologe stellte jedoch klar: „Das Restaurant trifft keine Schuld.“ Allerdings könne die Lieferantenkette nun den entscheidenden Hinweis geben, wie der Killer-Keim in Umlauf gekommen ist.
Fleisch
Jeder zweite Deutsche verzichtet inzwischen auf Gurken, Salat und Tomaten, der Fleischkonsum stieg im Gegenzug um rund vier Prozent. Und jetzt das: Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vermuten nun, dass die Epidemie auch über Fleischprodukte verbreitet worden sein könnte. Denn: Derart aggressive Darmkeime seien noch nie auf Obst und Gemüse entdeckt worden. Zudem seien die Erreger üblicherweise im Darm von Rindern zu finden. Wer also auf Nummer sicher gehen will, sollte die Finger von rohem Fleisch und nicht durchgebratenen Burgern lassen.
Anschlag
EHEC als biologische Vernichtungswaffe? Der Berliner Hygiene-Experte Klaus-Dieter Zastrow hält das für durchaus möglich: „Es kann sein, dass ein Schwachkopf unterwegs ist und denkt, ich bringe mal ein paar Leute um.“ Das aus dem Blickfeld zu nehmen, halte er für fahrlässig. Gerade weil es ein völlig unbekannter Bakterienstamm sei, könne es sich um ein Kunstprodukt aus dem Labor handeln.
Fakt ist: In Hamburg steigt die Zahl der EHEC-Infektionen inzwischen etwas langsamer. Von Freitag auf Sonnabend habe es 19 neue Fälle von EHEC-Infektionen oder mit Verdacht auf EHEC gegeben, zitierte NDR1 Welle Nord am Sonntag die Hamburger Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks. Darunter sei ein neuer Fall der schweren HUS-Erkrankung. Es gebe aber keinen Grund zur Entwarnung.
Die Empfehlung, auf rohen Salat, Salatgurken und Tomaten zu verzichten, gelte weiter. Am Nachmittag wird Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) besuchen. Dort will er sich über die Versorgung von EHEC- und HUS- Patienten informieren.
15 Spezialisten des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind durch Hamburgs Kliniken gezogen, versuchen herauszubekommen, was die EHEC-Patienten gegessen haben. Auch Gesundheitsbehörde und Gesundheitsämter sind eingebunden.
Experten des RKI gucken, was die Erkrankten zu Hause haben, und lassen die Nahrung untersuchen. Lebensmittelkontrolleure der Bezirke sollen in noch größerem Umfang als sonst auf Märkten, in Restaurants, auf dem Großmarkt und in Geschäften unterwegs sein. Dort sammeln sie Lebensmittel aller Art ein. Bis Dienstagnachmittag habe man bundesweit 1115 Proben gezogen, berichtete Helmut Tschiersky-Schöneburg, Präsident des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. 188 Gurken, 148 Tomaten und 184 Blattsalate seien getestet worden. Dazu kamen 45 Mal Erdbeeren, 13 Mal Spargel und zwei Mal Champignons plus Gewürze und Kräuter. Darüber hinaus sind neun Mal Rohmilch, 38 Mal Käse und 19 Mal Fleisch getestet worden.
Im Institut für Hygiene und Umwelt. Dort wurde zusätzliches Labor-Personal in die EHEC-Jagd eingebunden. Akkordarbeit.
Die Lebensmittel werden zu einer Breimasse zerkleinert. Diese wird mit Nährlösung versehen und über mehrere Stunden aufgewärmt. Bakterien können so wachsen und sich vermehren. An den Zellkolonien können die Experten unterschiedliche Keimarten erkennen. Hat man EHEC gefunden, wird geklärt, um welche Art es sich handelt.
Innerhalb von 24 bis 48 Stunden können die Experten sagen, ob EHEC enthalten ist. Die Typen-Analyse soll ein Schnelltest der Uniklinik Münster verbessern. „Den werden wir auch bei uns etablieren“, so die Sprecherin des Hygiene-Instituts.
Gering. Andreas Sammann vom Hygiene-Institut sagte, dass man in fast 80 Prozent der Fälle weltweit den Erreger nicht finde.
Die Warnung vor Gurken, Tomaten und Blattsalaten bleibt bestehen. Russland verbot sogar die Einfuhr von EU-Gemüse.
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