Wütend blickt Tobias Trapp auf den Innenhof der Stahltwiete 12 in Altona. Links glänzen die polierten Porsches und Benz vor dem Gebäude des „Fernsehmacher“-Filmstudios, in dem auch die Sendung von Markus Lanz aufgezeichnet wird. Direkt nebenan wartet vor Trapps Werkstatt ein alter Golf 1 auf seine Reparatur. „Denen geht es gut. Aber wir kämpfen hier um unsere Existenz.“
Kurz vor Sylvester flog dem Besitzer der „Motorrad Selbsthilfe Werkstatt“ die Kündigung ins Haus. Auch die benachbarte Kfz-Werkstatt von Bruno Kallert soll gehen. So will es die Baubetreuung Essen KG, der das Grundstück gehört. Den anderen beiden Kfz-Betrieben in der Werkstattparzelle wurde vor einem Jahr gekündigt. Alle vier müssen zum 31. März ihren Platz räumen.
Laut der Essen KG haben die Betriebe die Parzelle verfallen lassen. „Mittlerweile wäre eine Renovierung schon teurer, als das Grundstück überhaupt wert ist“, sagt ein Unternehmenssprecher.
Was die Essen KG, die ihren Sitz gleich nebenan in der Stahltwiete 16 hat, mit dem Grundstück vorhat, will das Unternehmen auch auf MOPO-Anfrage nicht verraten.
Mit der kurzfristigen Kündigung hat so schnell keiner der Betriebe gerechnet. „Die Kündigung kam unerwartet. Uns war klar, dass wir irgendwann rausmüssen, aber drei Monate sind zu wenig für die Räumung“, sagt Trapp. „Wir klappen ja nicht einfach unseren Laptop zu und gehen. Das ist weitaus mehr Aufwand! Hebebühnen, Werkzeuge, Ersatzteile – alles muss raus.“
Trapp betreibt seine Motorradwerkstatt seit 1999 in der Stahltwiete, hat bis heute drei Arbeitsplätze geschaffen. Vom Verhalten des langjährigen Vermieters ist er bitter enttäuscht. „Das Kleingewerbe in unserem Stadtteil ist in Gefahr.“ Auch Kfz-Werkstatt-Chef Bruno Kallert ist sauer: „Ich bin seit mehr als 25 Jahren hier, habe den Hof mit erbaut, von einem Ackerfeld zum Arbeitsplatz! Nun wird uns nicht einmal bei der ‚Umsiedelung‘ geholfen.“ Doch die Kündigung ist rechtlich korrekt.
Zehn Mitarbeiter laufen nun Gefahr, bald ohne Arbeitsplatz dazustehen. Trapp: „Wir haben die Möglichkeit auf einen Drei-Jahres-Vertrag in der Friedensallee 128, dem alten Kolben-Schmidt-Gebäude in Ottensen. Danach soll das Gebäude abgerissen werden. Wir brauchen längerfristig ein festes Gebäude, sonst können wir die Geschäfte dichtmachen.“
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