Kiffen ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, sagen Drogenexperten. Nicht nur Jugendliche greifen in Hamburg zum Joint – sondern jeder zwölfte 18- bis 64-Jährige zündet sich zumindest ab und an eine Tüte an. Wer sind die Kiffer, warum schrecken sie Verbote nicht ab – und wer verdient dabei das große Geld? MOPO.DE erklärt das Gras-Geschäft.
Hauptsächlich Jugendliche und junge Erwachsene. Die große Mehrheit legt dann den Joint beiseite. Doch: Zehn Prozent der 30- bis 39-Jährigen und sechs Prozent der 40- bis 49-Jährigen bleiben dabei – und zwar egal, ob in Altona oder Allermöhe: „Cannabis ist mitten in der Gesellschaft angekommen“, so Theo Baumgärtner, Leiter des Büros für Suchtprävention.
Aus ähnlichen Gründen, aus denen Alkohol getrunken wird: um abzuschalten, um Spaß zu haben, aus Gewohnheit.
„In erster Linie aus Holland“, sagt Axel Hirth von der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift (GER) von Zoll und Polizei. „Allerdings auch immer öfter von Plantagen in Deutschland.“ Länder wie Marokko, die Türkei oder Afghanistan spielen kaum eine Rolle. Erst am Dienstag flog ein Dealerring auf, der Marihuana im zweistelligen Kilobereich aus Holland eingeschmuggelt und in Hamburg, und Lübeck abgesetzt haben soll.
„Das ist straff organisiert“, so Hirth. Großhändler bringen teils mehr als eine Tonne nach Hamburg. Dann übernehmen Zwischenhändler. Die Konsumenten kaufen nur wenige Gramm, zum Preis von sechs bis zehn Euro pro Gramm. Der Verkauf hat sich von der Straße verlagert, findet meist in Wohnungen und einschlägigen Lokalen statt. „Es ist kein Problem, an Gras zu kommen“, sagt Hirth. „Die Klientel kennt sich.“
Ein Kilo kostet im Großhandel rund 1000 bis 2000 Euro, der Verkauf bringt dann bis zu 10000 Euro.
„Gesetzlich ist es verboten, aber faktisch ist es legal“, sagt Baumgärtner. Es sei leicht verfügbar, auch werde Cannabis als nicht so gefährlich angesehen. „Durch Alkohol entsteht ein sehr viel höherer Schaden. Zudem schrecken Verbote meist nur sehr junge Jugendliche ab und haben eher eine Signalfunktion.“
Meist gar nicht. Der Besitz geringer Mengen für den Eigenbedarf wird toleriert. Der Grenzwert, bis zu dem die Staatsanwaltschaft Verfahren in der Regel einstellt, liegt bei sechs Gramm. Dealer können mehrere Jahre hinter Gitter kommen
Die Polizei macht immer häufiger morgens Kontrollen, um Kiffer zu erwischen. Cannabis lässt sich 24 Stunden lang im Blut nachweisen. Mögliche Folgen: Entzug des Führerscheins, Bußgelder bis zu 1800 Euro.
Wenden Sie sich so früh wie möglich an eine Suchtberatungsstelle oder an die 24-Stunden-Sucht- und Drogenhotline, Tel. 01805 313 031
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