Thomas F. und seine Folter-Wohnung

Barmbek: Dramatische Flucht aus dem Sex-Verlies

Von Christoph Heinemann, Olaf Wunder, Malte Steinhoff, Marius Röer und Rüdiger Gaertner
1: Schlafzimmer

2: Küche

3: WC

4: Das Wohnzimmer, rund zwölf Quadratmeter groß. Hier hatte F. in großen Mengen Lebensmittel gehortet, genug, um eine monatelange Belagerung zu überstehen. Hier befanden sich auch Folterinstrumente, Kanülen, Spritzen, gynäkologische Geräte, Fuß- und Handfesseln.

5: Bizarr: eine Telefonzelle mitten im Wohnzimmer. Thomas F. hat sie dort aufgestellt, um Sarah P. darin gefangen zu halten. Mit einer Gummipuppe hat er das vorher geübt.
1: Schlafzimmer 2: Küche 3: WC 4: Das Wohnzimmer, rund zwölf Quadratmeter groß. Hier hatte F. in großen Mengen Lebensmittel gehortet, genug, um eine monatelange Belagerung zu überstehen. Hier befanden sich auch Folterinstrumente, Kanülen, Spritzen, gynäkologische Geräte, Fuß- und Handfesseln. 5: Bizarr: eine Telefonzelle mitten im Wohnzimmer. Thomas F. hat sie dort aufgestellt, um Sarah P. darin gefangen zu halten. Mit einer Gummipuppe hat er das vorher geübt.

Als der Mann Sarah P. in die Wohnung führt, wird ihr endgültig klar, wie todernst ihre Lage ist. Ein Wahnsinniger hat sie in der Gewalt! Sie sieht die mit Stacheldraht verrammelten Fenster, die Folterwerkzeuge, gynäkologische Instrumente, Kanülen. Mitten im Raum eine alte Telefonzelle, schalldicht umgebaut. Sie ahnt, was er vorhat. Er wird sie quälen und niemand wird ihre Schreie hören. Sie ist in der Hand eines Sadisten, sie steht in einer Folterkammer. Dass Sarah dem Grauen entkommt, grenzt an ein Wunder. Die Geschichte vom 30-jährigen Thomas F. ist Stadtgespräch. Ungläubig gehen Schaulustige an dem Haus vorbei, werfen einen entsetzen Blick auf den Stacheldraht. Jedem schießen unwillkürlich Filmszenen durch den Kopf. Aus „Schweigen der Lämmer“ etwa.
Tatort: Wachtelstraße, ein trister Wohnblock. Im Erdgeschoss lebt Thomas F., 30 Jahre alt. Fettiges Haar, ungepflegter Vollbart. Eine seltsame Erscheinung. Nicht nur äußerlich. Ein Einzelgänger ist er, zu dem niemand Kontakt hat.

Vor etwa zwei Wochen schmiedet er den Plan, Sarah P. (Name geändert) gefangen zu nehmen. Er will sie besitzen, nie mehr hergeben. Und er beginnt, Vorkehrungen zu treffen. Schraubt Ösen in die Fensterlaibungen, spannt Stacheldraht darin. Seltsam: Kein Passant schöpft Verdacht, niemand ruft die Polizei. In aller Seelenruhe macht F. weiter. Besorgt genug Lebensmittel für mehrere Wochen, bewaffnet sich mit Pistole und Handgranate.

Entführer Thomas F. nach seiner Festnahme im Polizeiwagen.
Entführer Thomas F. nach seiner Festnahme im Polizeiwagen.
Foto: Marius Roeer

Kanülen, Spritzen, gynäkologische Geräte und eine Telefonzelle als Käfig

Über einen Bekannten, angeblich einen Arbeitskollegen, hat der 30-Jährige Sarah P. kennengelernt. Sie geht ihm seither nicht mehr aus dem Kopf. Sein kranker Geist hat Besitz von ihr ergriffen. Er ruft sie an. Schreibt ihr SMS. Sie findet den komischen Kauz zwar ganz nett. Aber langsam nervt er.

Entführung in Barmbek: Thomas F. wird festgenommen

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Entführung einer Frau: Der Tatort in Barmbek

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Sarah P. Die Angst gab ihr enorme Kräfte: Sie riss dieses Fenster aus den Angeln, schob den Stacheldraht beiseite und zwängte sich hindurch. Thomas F. verwandelte seine Wohnung in einen Käfig. Bizarr: Das Vogelhäuschen, das im Stacheldraht hängt.
Sarah P. Die Angst gab ihr enorme Kräfte: Sie riss dieses Fenster aus den Angeln, schob den Stacheldraht beiseite und zwängte sich hindurch. Thomas F. verwandelte seine Wohnung in einen Käfig. Bizarr: Das Vogelhäuschen, das im Stacheldraht hängt.
Foto: Marius Roeer

Freitagabend. Es klingelt. Sarah öffnet die Tür. Da steht er. Mit einer Pistole in der Hand. Sie denkt vielleicht erst an einen Spaß. Sie muss mit ihm im Wagen zu seiner Wohnung fahren. Dort redet sie auf ihn ein, bittet ihn, den Blödsinn zu lassen. Als er sie durch die Eingangstür schubst, wird ihr klar: Das hier ist kein Witz.
Sarah P. hat Angst um ihr Leben. Das Adrenalin gibt ihr Kraft. Als sie einen Moment unbeobachtet ist, stürmt sie zum Wohnzimmerfenster, reißt es aus den Angeln, schiebt den Stacheldraht beiseite, zwingt sich durch ein schmales Loch. Frei!

Aber er ist hinter ihr her. Hat Pistole und Handgranate bei sich. Plant, seine Angebetete und sich in die Luft zu sprengen, wenn er sie einholt. Aber es gelingt ihm nicht.

Sarah rettet sich zu einer Freundin. Nachbarn von F. haben inzwischen die Polizei gerufen. Als F. zu seiner Wohnung zurückkehrt, nehmen ihn die Beamten fest.

Es gibt Hinweise, dass F. in einer eigenen Welt lebt: 2006 suchte er übers Internet eine Möglichkeit, sich anonym ein Nummernkonto zuzulegen. Er trug damals den Nickname „reichermensch“. 2010 sicherte er sich die Internet-Domäne „paolinabiguine.com“ – das ist der Name einer erst 16-jährigen französischen Schauspielerin. Hat er sie im Film gesehen? Sich in die „Liebe“ zu ihr hineingesteigert? So wie jetzt in die „Liebe“ zu Sarah?

Wegen Körperverletzung und Stalkings ist Thomas F. vorbestraft. Am Freitagabend war er kurz davor, sich noch viel Schlimmeres aufs Gewissen zu laden. Der Horror ist zu Ende. Nur Stacheldraht vor den Fenstern erinnert noch daran.

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Datum:  21.8.2011
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