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100. Todstag: Graf Dracula: Der Horror stirbt nie

Eine Szene aus dem Film: Dracula (1992). Hier spielte Gary Oldman (Bild) den Fürsten der Finsternis.
Eine Szene aus dem Film: "Dracula" (1992). Hier spielte Gary Oldman (Bild) den Fürsten der Finsternis.
Foto: IMAGO

Der 8. November 1847 ist ein kalter, düsterer Herbstabend in der Nähe von Dublin. Es ist der Abend, an dem ein Mann geboren wird, der die berühmteste und berüchtigtste aller Gruselfiguren der Welt erschaffen wird. Heute noch sorgt er für Horror, für Gänsehaut, jagt jedem Leser seines Meisterwerks einen kalter Schauer über den Rücken. Der irische Autor Bram Stoker erschuf ein Monster, das gruseliger, grausamer und faszinierender war als alles bisher Dagewesene: Er ist der „Vater“ des legendären Vampirs Graf Dracula. Stoker löste mit seinem Roman eine Flut an Vampir-Büchern – und später Filmen – aus, die auch 100 Jahre nach seinem Todes- oder vielleicht besser „Untodestag“ anhält.

Vielleicht ist es die heimtückische Krankheit, an der der kleine Bram leidet, die dazu führt, dass der Junge düstere Fantasien hat. Bis zu seinem siebten Lebensjahr ist er ans Bett gefesselt, kann weder stehen noch gehen. Er ist dem Tode nah. Bis heute weiß man nicht, woran Stoker gelitten hat. So mysteriös wie seine Krankheit ist auch seine Genesung. Er wird gesund, treibt Hochleistungssport, studiert später Mathematik, wird Beamter bei der Dienstaufsichtsbehörde in Dublin. Ein Wunder!

Der „Vater“ von Graf Dracula: Bram Stoker (gestorben 1912).
Der „Vater“ von Graf Dracula: Bram Stoker (gestorben 1912).
Foto: getty

Doch glücklich ist Stoker nicht. Sein Job gefällt ihm nicht. Er bietet ihm kein Ventil für seine Kreativität, die schon immer ein wenig düster war. Er schreibt als Theaterkritiker bei einer Lokalzeitung. Die Welt der Helden und Bösewichte fasziniert ihn. Und hier macht er eine folgenreiche Bekanntschaft: Schauspieler Henry Irving bringt ihn nach London, dort stößt Stoker auf alte Sagen über Vampire. Die Vorstellungen von seelenlosen Untoten mit spitzen Zähnen, die ihren Opfern das Blut aussaugen, geisterten bereits im 17. Jahrhundert durch Osteuropa.

Stoker ist fasziniert und beschließt, selbst ein Buch über den Herrn der Finsternis zu schreiben. Sein Roman soll in der österreichischen Steiermark spielen. Doch dann entdeckt Stoker bei Nachforschungen einen besseren Ort für seine Geschichte – und das ideale historische Vorbild für seine Hauptfigur: Den blutrünstigen Grafen Vlad III. Draculea aus Transsylvanien.

Bram Stoker war nie in Transsylvanien (heute auf rumänischem Staatsgebiet), doch er recherchiert akribisch, beschreibt realitätsgetreu und dichtet doch einige dunkle Wälder und düstere Szenerien hinzu. Das Schloss seines Grafen macht er schauriger, gruseliger, furcht-einflößender. Stoker spielt mit dem Aberglauben der Menschen. Und er spricht ein Thema offen an, das in jener prüden Zeit ein absolutes Tabu ist: Sex.

Ob Vergewaltigung, Ehebruch, Oral- und Gruppensex – Stoker schildert in seinem Roman alles mit unglaublicher und unerhörter Detailfreude. Ein Skandal! 1897 erscheint sein Buch – und wird trotz der expliziten Sexszenen ein Ladenhüter. Die Leser in England stört es vor allem, dass der Romanheld aus dem fernen Transsylvanien stammt. Sie können mit der Landschaft nichts anfangen.

Verarmt und völlig unbekannt stirbt Stoker am 20. April 1912 in London, ohne zu ahnen, dass sein Roman es zu Weltruhm bringen wird. Seltsam: Stoker verfügt vor seinem Ableben, dass sein Leichnam nicht – wie damals in England üblich – in seinem Sarg bestattet, sondern verbrannt wird. Fürchtete er etwa, als Untoter wiederaufzuerstehen?

Sein Roman tut genau das, er erwacht zu neuem Leben – genau 20 Jahre nach dem Tod seines Schöpfers. Regisseure entdecken die Geschichte für erste Stummfilme, plötzlich wird der Ladenhüter zum Bestseller. Auf der Leinwand entfaltet der Horror seine volle Wirkung, Graf Dracula wird zum Sinnbild des Schreckens, aber auch von Lust und Laster.

Millionen verkaufte Bücher weltweit und unzählige Verfilmungen zeugen noch immer von der unglaublichen Faszination des Bösewichts mit den langen Zähnen. Der Graf weckt die Lust an der Angst, damals wie heute. Und sein Schöpfer Bram Stoker ist dadurch eines geworden: unsterblich. Ganz ohne Vampirbiss.

Draculas Vorbild: Graf Vlad
Foto: picture-alliance / dpa

Bram Stokers Horrorheld basiert auf einer historischen Figur: Vlad III. Draculea. Er herrschte im 15. Jahrhundert über die Walachei, einem Fürstentum im heutigen Rumänien. Die wahre Geschichte von „Dracula“ ist zwar blutrünstig, hat aber mit Vampiren nichts zu tun.

Vlads Land führte damals Krieg gegen das Osmanische Reich und Ungarn. Dabei ging der Fürst gegen seine Gegner und Gesetzesbrecher im Land äußerst brutal vor. So soll er unzählige Gegner gepfählt haben. Sie wurde bei lebendigen Leib aufgespießt und starben langsam und qualvoll. Deshalb erhielt Vlad den Beinamen „Tepes“ – was übersetzt „der Pfähler“ bedeutet. Um 1477 wurde er von den Türken geschlagen.

Sein Ende ist ungewiss: Er fiel entweder bereits während der Schlacht oder wurde gefangen genommen und dann enthauptet.

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