Gleich zwei Mal in drei Tagen wurden Wohnungen und Büro des Sterbehelfers Roger Kusch durchsucht. Wenige Stunden nach der ersten Razzia am 27. November durch die Hamburger Staatsanwaltschaft (MOPO am Sonntag berichtetet) begleitete Kusch am 28. November eine Rentnerin (97) in Mülheim/Ruhr beim Gift-Selbstmord. Daraufhin veranlasste die zuständige Staatsanwaltschaft Duisburg am 29. November eine zweite Durchsuchung.
Die Ermittler beschlagnahmten Unterlagen und Computer. "Wir ermitteln wegen des Anfangsverdachts eines Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz", so Wilhelm Möllers, Sprecher der Hamburger Staatsanwaltschaft.
Kusch hat am 28. November zum fünften Mal einen Menschen in den Suizid begleitet: Frieda Felger (97) aus Bergisch-Gladbach nahm sich in einem Hotelzimmer in Mülheim/Ruhr mit einem Medikamenten-Cocktail das Leben. Sie wollte eigentlich in ihrer Wohnung sterben, zog aber kurzfristig ins Hotel, nachdem die Polizei bei Kusch Datenträger, die auch Informationen über ihren geplanten Suizid enthielten, beschlagnahmt hatte. Laut Kusch litt Frieda Felger unter Atemnot, hatte Angst zu stürzen und konnte ihre Wohnung ohne Hilfe nicht mehr verlassen.
Die Staatsanwaltschaften Hamburg und Duisburg prüfen nun, ob Kusch verschreibungspflichtige Medikamente weitergegeben hat. Bei der Obduktion der Leiche der Hamburger Rentnerin Inge Iassov (84) war eine hohe Dosis eines Malaria-Medikaments festgestellt worden.
Durchsucht wurden nun Kuschs Hamburger Wohnung und Anwalts-Büro, sowie eine "Nebenwohnung" in Stuttgart. "Die Durchsuchungen kamen für mich überraschend", so Kusch zur MOPO. "Es belastet mich, dass Menschen, die sich an mich gewendet haben, nun möglicherweise von der Polizei kontaktiert werden."