Rapport beim Papst: Gestern reiste Robert Zollitsch nach Rom. An sich Routine für den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, angesichts der Meldungen über missbrauchte Opfer katholischer Priester aber eine heikle Mission. "Bewegt und tief betroffen" habe Papst Benedikt XVI. auf Zollitschs Bericht reagiert, hieß es doch zum "öffentlichen Wort des Bedauerns", wie es Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) forderte, konnte der Pontifex sich nicht durchringen.
In der Weltkirche läuten die Alarmglocken. Längst weiß man, dass es nicht um Einzelfälle geht. Und der Blick richtet sich aufs Zölibat. Mehr als vier Fünftel der Deutschen haben kein Verständnis für die erzwungene Ehelosigkeit der Priester, drei Viertel sehen einen Zusammenhang zwischen Zölibat und Missbrauch.
Zweifel werden auch in der Kirche laut: Der Wiener Kardinal Christoph Schönbohm will bei der Ursachenforschung das Zölibat nicht aussparen. Und Hamburgs Weihbischof Hans-Jochen Jaschke ahnt: “Die zölibatäre Lebensform kann Menschen anziehen, die eine krankhafte Sexualität haben." Die Sorge: Junge Männer könnten aus ihrer privaten Not eine höhere Tugend machen Angst vor Sex könnte sie ins Priesteramt und das Zölibat treiben.
Der Jesuit und Psychotherapeut Hermann Kügler im "Spiegel": "Das Priesteramt in der katholischen Kirche ist hoch attraktiv für Menschen, die in ihrer sexuellen Entwicklung auf einer kindlichen oder pubertären Stufe stehen geblieben sind." Dabei ist die Theorie ganz klar: Ein Priester darf seine Sexualität nicht ausleben. Tut er es, bringt er sich um Amt und Würden.
Doch nach Schätzungen lebt kaum die Hälfte der Priester in Deutschland wirklich enthaltsam. Die "Haushälterin" ist als gute Seele vieler Pfarrhäuser durchaus nicht immer auf die Küche beschränkt. Viele Geistliche leben in solchen oder ähnlichen Beziehungen mit Frauen, haben Kinder.
Auch verbreitet: die Liebe zu einem anderen Mann. 20 bis 40 Prozent der Würdenträger sind wohl schwul, bei den Priesteramtskandidaten soll es sogar die Hälfte sein. Die einen leben in heimlichen Partnerschaften, andere lassen in den Sex-Treffs der Großstädte Druck ab. Für Kügler ist die katholische Kirche die "größte transnationale Schwulenorganisation".
Für den Theologen Hans Küng gehört das Zölibat daher schlicht abgeschafft:
Es sei "der strukturell wichtigste Ausdruck einer verkrampften Einstellung der katholischen Kirchenleitung zur Sexualität". Doch bei aller päpstlichen Betroffenheit gestern solche Einsichten prallen an Benedikt ab: Kaum hatte er den zerknirschten Erzbischof Zollitsch getröstet, schwärmte der Papst im Vatikan schon wieder vom "heiligen Zölibat", diesem “kostbaren Geschenk". Den Opfern verklemmter oder enthemmter katholischer Priester
dürfte dies kaum Trost gebracht haben.
Heidi, Hans und Franz haben sich von Seal getrennt. Dabei hat das penetranteste aller Promi-Paare doch gefühlt so oft geheiratet wie Lothar Matthäus. Da fragt sich die geneigte Leserin: Sind diese alljährlichen Hochzeitswiederholungen am Strand eigentlich mit einer einzigen Scheidung zu erledigen?