Die Story: Nach dem Tod ihrer Eltern soll die kleine Tiffany in ein Waisenhaus abgeschoben werden. Auf dem Weg dorthin überfallen drei Räuber ihre Kutsche. Sie wittert ihre Chance, dem Kinderheim zu entkommen und flunkert den finsteren Gestalten vor, sie sei die Tochter eines Maharadschas und man könne für sie viel Lösegold fordern. Das lassen sich die Räuber nicht zwei Mal sagen und bringen das Mädchen in ihre Höhle. Die "Geisel" bringt mit ihrer frech-fröhlichen Art das Leben der Bewohner gehörig durcheinander. Doch irgendwann fliegt Tiffanys Schwindel auf. Sie büxt aus und entschließt sich, lieber ins Waisenhaus zu gehen. Dort hält eine fiese Tante die Kinder wie Sklaven und speist sie mit Rübenpampe ab, während sie sich selbst mit allerlei Leckereien vollstopft. Aber nicht mehr lange ...
Der Regisseur: Im Laufe seiner fast 50-jährigen Karriere veröffentlichte Tomi Ungerer mehr als 140 Bücher. Da verwundert es, dass dieser von Hayo Freitag ("Käpt'n Blaubär") liebevoll in klassischem Zeichentrickstil inszenierte Film das erste Werk des begnadeten Künstlers ist, welches auf die Leinwand kommt. Er basiert auf dem 1963 erschienenen gleichnamigen Bilderbuch, das für die Kinoadaption ein wenig ausgeschmückt wurde - allerdings ganz im Sinne des Autors, der es sich nicht nehmen ließ, in die Sprechrolle des Erzählers zu schlüpfen. Die Geschichte trägt märchenhafte Züge und enthält die Botschaft, dass in augenscheinlich bösen Menschen - in diesem Fall den drei Räubern - durchaus ein guter Kern stecken kann. Viele der Szenen, die im Waisenhaus vor Tiffanys Eintreffen spielen, sind stimmungsmäßig recht düster ausgefallen. Ansonsten dominiert lakonischer Witz. Wenn etwa ein den Wald durchstreifender Schutzmann einen Specht wegen Ruhestörung verwarnt, muss man auch als Erwachsener schmunzeln.
Fazit: Fantasievoll illustrierter Zeichentrickfilm um ein liebenswert freches Waisenmädchen, das sein Schicksal in die eigene Hand nimmt.