Es ist ein Fußballspiel - und das bleibt es auch. So wie in zigtausend Stadien in aller Welt laufen heute zwei Mannschaften in der HSH Nordbank Arena auf, deren Trainer jeweils elf Spieler ins Rennen schicken. Für einige Hauptdarsteller sind die 90 Minuten zwischen dem HSV und Borussia Dortmund ein bisschen mehr als eine gewöhnliche Partie. Mladen Petric, Mohamed Zidan oder vor allem auch BVB-Coach Jürgen Klopp haben offene Rechnungen zu begleichen - und heute, 15.30 Uhr, ist Zahltag.
Bewusst haben die Protagonisten in der Woche vor dem brisanten Aufeinandertreffen den Dampf rausgenommen. Dortmunds Trainer will sich zu seinem heißen Flirt mit Hamburg nicht mehr äußern. Der Wunschkandidat von HSV-Boss Bernd Hoffmann wäre nur zu gerne an die Elbe gewechselt, stattdessen bekam Martin Jol den Job. Der Stachel sitzt. Durch eine Indiskretion war zudem öffentlich geworden, dass die HSV-Trainer-Scouts bei Klopp Probleme mit der Pünktlichkeit ermittelt hatten. Der Ex-Mainzer tobte, als er davon hörte. "Das ist Vergangenheit", sagt er heute. Vergangen, aber nicht vergessen. Ein Sieg in Hamburg - eine Genugtuung für Klopp.
Der Lieblingsschüler des Ex-TV-Bundestrainers kommt mit den schlechtesten Erinnerungen an seine HSV-Zeit zurück. "Nervensäge" Mohamed Zidan war in Hamburg weder sportlich noch gedanklich jemals angekommen. Nach öffentlichen Attacken gegen Ex-Coach Stevens ("Der hat mich wie Scheiße behandelt") war der Ägypter nicht mehr tragbar, musste folgerichtig gehen.
Im Tausch für den Pleitestürmer kam Mladen Petric nach Hamburg. Der musste sich von Klopp, der trotz seiner 13 Tore in der Vorsaison nicht mit Petric als Stammkraft plante, zumindest unterschwellig Geldgier unterstellen lassen. Die Sache ist ausgeräumt und gewiss dennoch ein Extraportiönchen Zusatzmotivation für Petric. Nach vier Spielen Torpause will er unbedingt wieder treffen. Am liebsten natürlich heute - gegen seinen alten Klub und dessen neuen Trainer.