Eigenes Büro? Fehlanzeige. Warenlager, Logistikprobleme und fettes Startkapital? Mitnichten. Die "Yieeha"-Macher Philipp Schilling (27), Henning Sievert (26) und Stephan Seyboth (30) betreiben ihre Shopping-Plattform aus der gemeinsamen WG in einer geräumigen Eimsbüttler Altbauwohnung. Sie sind typische Vertreter der neuen Gründer-Generation.
Fast täglich enstehen neue Web 2.0-Seiten, auf denen die Nutzer munter nach den günstigsten Angeboten suchen, die Vorzüge oder Nachteile bestimmter Produkte diskutieren oder selbst als Verkäufer auftreten. Die Betreiber dieser Plattformen sehen ihre Aufgabe nicht vordergründig im Verkaufen eigener Waren, sondern eher im Zusammenführen von Interessengruppen. So ist es auch bei den Yieeha-Gründern: "Wir haben Spaß am Spielen und ausgefallenen, coolen Produkten. Das haben wir hier umgesetzt", erklärt Schilling.
Der Clou: Während die meisten Web-Shops auf Produkte setzen, die der Nutzer kennt oder erwartet, lebt Yieeha von der Überraschung und Begeisterung, Neues zu entdecken. Schilling unterstreicht: "Wann kommt ein Produkt so richtig an? Wenn es die Emotionen des Käufers trifft. Und seinen Spieltrieb anstachelt. Was drückt das besser aus als ein begeistertes Yieeha!" Ein solches Produkt soll z. B. die "Flying Alarm Clock" sein. Beim Klingeln dieses Weckers hebt der obere Teil ab und fliegt durchs Zimmer. Abstellen lässt sich der Wecker nur durch Einfangen des Minihubschraubers - Aufstehen garantiert.
So funktioniert die Plattform: Auf Yieeha verlosen Unternehmen ihre Produkte, um sie bekannter zu machen. Und die Nutzer können Wunschprodukte vorschlagen oder auch Dinge verlosen, die sie nicht mehr brauchen. Die Gewinnchancen richten sich nach der Yieeha-Währung "Yodds", die Nutzer zum Beispiel für die Verlosung eigener Produkte erhalten. Je mehr "Yodds", desto höher die Gewinnchance.
"Wir geben keine Kundendaten weiter, verlangen für die Nutzung kein Geld und traktieren User nicht mit Spam. Das sind nämlich alles Dinge, die wir selbst nicht mögen", so Stephan Seyboth. Selbstverständlichkeiten, die der Nutzer von einer seriösen Seite auch erwarten kann. Geld verdient das Unternehmen über Umsatzbeteiligungen an Verkäufen in angeschlossenen Online-Shops. Ein weiterer Aspekt: "Wir möchten den Yieehanern den Einstieg möglichst einfach machen, denn viele Web 2.0-Communities arten regelrecht in "Arbeit" aus. Beim ersten Blick auf die Seite entdeckt man sofort coole neue Sachen. Wer sich anmeldet, bekommt fünf Yodds und kann gleich loslegen und in die Spiele einsteigen", so Schilling.
Rund 35000 Euro hat die Gründer-WG bislang aus ihren Ersparnissen in das Projekt gesteckt . "Ein Glücksfall ist für uns die Kooperation mit der Internetschmiede Mutantbrains, die im Schanzenviertel sitzt. Die sind von der Idee begeistert und haben sich deshalb am Unternehmen beteiligt." Dabei sehen die Jungs ihr Engagement mit erstaunlicher Gelassenheit. "Wenn das Unternehmen scheitert, haben wir eine Superzeit zusammen erlebt, Erfahrungen gesammelt und das war es dann eben. Im Gegensatz zu denen, die mit hohem finanziellen Risiko gegründet haben und den Rest ihres Lebens Schulden abbezahlen." Schilling, Seyboth und Sievert würden sich einen neuen Job suchen und wieder einer geregelten Arbeit nachgehen - bis zur nächsten Gründungsidee.