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WUNDER VOM DAMMTOR

Das ist Marie, das Koffer-Baby

Dieser Pförtner rettete das Koffer-Baby

Die Geschichte der Rettung gleicht einem kleinen Wunder. Es ist Dienstag um kurz nach 17 Uhr, als ein Mann in die Pförtnerloge kommt und Habib Naji darüber informiert, dass da ein Koffer am Lieferanteneingang an der Tiergartenstraße (St. Pauli) stehe. Der Pförtner schickt einen Sicherheitsdienst-Mitarbeiter vor die Tür, der den Trolley holt.



"Wir haben einen kurzen Blick in den Koffer geworfen. Aber da war nur Wäsche drin. Wir haben ihn in die Ecke gestellt und uns keine weiteren Gedanken mehr darüber gemacht." Etwa eine Stunde steht der Koffer in der Ecke. Dann plötzlich hört Naji ein Wimmern. "Ich dachte, es kommt aus dem Fernseher. Aber dann merkte ich, dass es aus dem Koffer kam."



Sofort öffnet der Vater dreier Kinder und Opa von drei Enkeln den Trolley. "Es lag ein Baby mit blauem Strampler, Nicki-Jäckchen, Schneeanzug und Mützchen inmitten von Kleidung. Ich habe gezittert und geweint", sagt der Pförtner, der seit 34 Jahren am CCH arbeitet und in Eidelstedt wohnt.



Es sei das Schlimmste gewesen, was er jemals bei seiner Arbeit erlebt habe. "Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen und musste immer wieder daran denken, was gewesen wäre, wenn wir das Baby nicht so schnell gefunden hätten. Ich hätte damit nicht leben können."



Inzwischen liegt das Baby im Altonaer Kinderkrankenhaus. Die Schwestern haben das Mädchen Marie genannt. Dr. Axel von der Wense (50), Chefarzt der Neugeborenenmedizin: "Das Kind ist wohlauf. Allerdings ist es mit 2200 Gramm und 45 Zentimetern untergewichtig und ziemlich klein. Das Baby trinkt gut, muss aber noch von uns überwacht werden."



Es sei aber nicht zu früh und sicher nicht in einem Krankenhaus zur Welt gekommen. "Der Nabel wurde zwar mit einem Faden verbunden, jedoch nicht professionell", sagt der Chefarzt. Das sei eindeutig ohne ärztliche Aufsicht geschehen. Er spricht davon, dass es ein Segen sei, dass das Kind so schnell gefunden wurde. "Die Temperaturen draußen und der wenige Sauerstoff in dem Koffer waren lebensgefährlich. Der Säugling hätte keine Stunde mehr in dem Trolley überlebt."



Das Jugendamt hat die Vormundschaft jetzt übernommen und sucht nach einer Pflege- oder Adoptivfamilie, in die das Mädchen schon in den kommenden Tagen gebracht werden soll. Sollte sich die Mutter melden, wird geprüft, ob es eine Möglichkeit gibt, dass sie ihr Kind behält.



Hinweise, dass Marie misshandelt wurde, gibt es nicht. "Die Mutter wollte vermutlich, dass ihr Kind gefunden wird. Deshalb stellte sie den Koffer an dieser stark frequentierten Stelle ab", sagt Polizeisprecher Holger Vehren. Ob oder woher sie den Lieferanteneingang, der an einer abgelegenen Straße liegt, kennt, ist unklar.



Die Ermittler bitten die Frau, die möglicherweise nach der Entbindung selber ärztliche Hilfe braucht, sich zu melden (Tel. 428656789). Aber es läuft auch eine Fahndung. Eine erste heiße Spur haben die Beamten bereits. Polizeihunde erschnüffelten am Fundort eine Spur in Richtung des Dammtorbahnhofs. Es wird vermutet, dass die Mutter mit der Bahn kam. Die Überwachungsvideos aus dem Bahnhof werden nun ausgewertet. Der Mann, der den Koffer (Marke Omica) entdeckt und beim Pförtner gemeldet hatte, hat sich inzwischen bei der Polizei gemeldet.

Hier wurde das Mädchen ausgesetzt

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Datum:  6.1.2011
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