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WINTERHUDE

Folteropfer (29) wollte sich anzünden

Es war ein verzweifelter Hilferuf. Nach Gerechtigkeit. Um auf die Folterungen im Iran aufmerksam zu machen, wollte sich der 29-jährige Mir Latifi S. gestern Morgen vor dem iranischen Generalkonsulat an der Bebelallee (Winterhude) anzünden. Gerade noch rechtzeitig konnte der Mann, der offenbar selber ein Folteropfer ist, überwältigt werden.



Mit einem Feuerzeug in der Hand steht der 29-Jährige auf dem kleinen Dach am Eingang des Konsulats. Er hat einen Benzinkanister und eine Flasche bei sich. Immer wieder gießt sich Mir Latifi S. die Flüssigkeit über den Körper. Er hantiert mit dem Feuerzeug, während Polizisten und Feuerwehrmänner beruhigend auf den Mann einreden. Bevor er sich anzünden kann, kommen Feuerwehrmänner hinter einem Einsatzfahrzeug hervor, rennen auf den Mann zu und bespritzen ihn mit Wasser aus einem Schlauch.



Als Polizisten Mir Latifi S. wenig zimperlich zum Streifenwagen zerren, zeigt er mehrfach ein Foto. Darauf ist der mit Narben übersäte Rücken eines Mannes zu sehen. Es sei sein Körper, so der 29-Jährige. Gegenüber Beamten sagt der Mann, dass er in seinem Heimatland gefoltert worden sei.



Mir Latifi S. ist beim iranischen Konsulat nicht bekannt. Und von Folterungen im Iran will eine Sprecherin nichts wissen: "Dafür muss man erst einmal Beweise haben. Man kann viel reden."



Menschenrechtler wie Hamid Nowzari (51) vom Verein für iranische Flüchtlinge in Berlin können über solche Äußerungen nur den Kopf schütteln. Fast jeden Tag treffen bei ihm schreckliche Nachrichten aus seinem Heimatland ein - von Menschen, die öffentlich ihre Meinung sagen wollten und dafür geschlagen, gefoltert und eingesperrt wurden. "Wer ins Gefängnis kommt, muss mit dem Schlimmsten rechnen", sagt Nowzari. Schläge mit Stöcken und Peitschenhiebe sind Alltag. Die Gefangenen haben oft keinen Kontakt zu ihren Familien, einen Anwalt bekommen sie selten. Nach Angaben von Amnesty International kamen 2008 mindestens zwei Menschen wegen der Haftbedingungen ums Leben.



Dabei sind es nicht etwa nur Mörder, die gefoltert werden, sondern auch Homosexuelle oder Menschen, die öffentlich den Islam kritisieren. Wer sich nicht so verhält, wie es das islamische Recht der Sharia (gilt seit 1979) erlaubt, wird verfolgt. Wer kann, flüchtet: Allein in Deutschland stellten 815 Iraner im vergangenen Jahr einen Asylantrag.



Ob es sich bei dem 29-Jährigen um einen politisch Verfolgten handelt, dazu darf sich die Ausländerbehörde aufgrund des Datenschutzes nicht äußern. Fest steht, dass Mir Latifi S. seit 2007 in Deutschland ist und in einer Asylunterkunft in Billstedt lebt. Der Mann, der bereits drei Suizidversuche unternommen hat, wurde nun in die Psychiatrie gebracht.

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Datum:  23.5.2009
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