Heiner Baumgarten hat's nicht leicht. Als Chef der Internationalen Gartenschau (IGS) will er einen Garten bauen. Doch dafür muss er 3000 Bäume in Wilhelmsburg fällen. Dabei ist Baumgarten oberster Baumschützer Niedersachsens: Dort ist er Vorsitzender des BUND. Deshalb beschimpfen ihn jetzt seine Freunde von den Naturschutzverbänden!
Denn Niedersachsen ist aus Wilhelmsburger Sicht weit weg. Vom Baumschützer zum Baumfrevler ist es da nur ein kurzer "Sprung über die Elbe". Das ist auch das Motto des großen Senatsprojekts, um die Insel aufzumöbeln. Deshalb blüht hier in drei Jahren die IGS in voller Pracht.
Doch, und das ist Baumgartens erstes Problem: Vorher rücken Bagger an. 750 Bäume wurden bereits gefällt, 2250 folgen (MOPO berichtete).
Denn, und das ist Baumgartens zweites Problem: Auf dem idyllischen Gelände entsteht ein kleiner Freizeitpark mit Kanälen, Ausflugsrestaurant, Schwimmbad, Besucher- und Kletterhalle, betonierten Wegen und einem Parkplatz. Dabei dachten bislang viele, eine Gartenschau sei ein Umweltprojekt "im Einklang mit Natur" und "alten Kulturlandschaften", wie es in den Leitsätzen der IGA steht. "Wenn man einen Park baut, dann baut man eine Erholungsfläche für Menschen", sagt jedoch Baumgarten. Im Übrigen seien die Pläne jahrelang in allen Gremien diskutiert worden.
Doch so mancher findet Brutplätze für Vögel sinnvoller als Freizeitarchitektur. Dazu kommt, und das ist Baumgartens größtes Problem: Die Kettensägen laufen bereits heiß, alles läuft nach Plan - aber ausgerechnet das versprochene Naturschutzkonzept gibt es noch nicht. Jetzt hagelt es Kritik von den Umweltverbänden an BUND-Vorstand Baumgarten. "Ich bin stinksauer", sagt NABU-Vize Alexander Porschke. Denn auch die versprochene Beteiligung von Bürgern und Verbänden scheint nur bedingt zu funktionieren.
Baumgarten weist die Schuld dafür von sich. Außerdem will er als Ausgleich für die Fällungen 550 Bäume und viele Sträucher neu pflanzen. Hamburgs BUND-Vorstand Harald Köpke: "Es wäre schön, wenn Baumgarten nicht nur 100 Prozent IGS-Chef wäre, sondern auch ein bisschen mehr Umweltschützer."
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