Polizeipräsident Werner Jantosch missachte höchstrichterliche Entscheidungen. Er belüge die Öffentlichkeit bei den Kosten von Prestigeprojekten wie den Polizeipferden. Selbstkritische Fehleranalyse nach schiefgegangenen Einsätzen werde unterdrückt. Sein Führungsstil bestünde zum Großteil aus Einschüchterung. Ein beispielloser Vorgang!
Die MOPO kennt die Namen der Verfasser des Brandbriefes, doch sie bitten darum, nicht genannt zu werden: „Wir sind beschämt und bedauern, dass die derzeitigen Verhältnisse in der Polizei Hamburg es unzumutbar machen, unsere Anliegen mit unseren Namen zu verbinden, weil Kritiker in dieser Polizei ihre Verwendung verlieren, ausgegrenzt und persönlich diffamiert werden.“
Und das wird Werner Jantosch (59) und seinen leitenden Polizeidirektoren Kuno Lehmann (56) und Peter Born (57) von ihren Kollegen vorgeworfen:
Reihenweise wurden verfassungswidrige Projekte angestoßen: Nachdem höchstrichterliche Urteile die Videoüberwachung auf dem Kiez, das automatische Kennzeichenlesegerät und die Beförderungspraxis innerhalb der Polizei teils als verfassungswidrig bezeichnet haben, wurden diese zwar gestoppt, ernst nahm man diese Schüsse vor den Bug allerdings nicht. Wie es dazu kommen konnte, dass diese Projekte so fehlerhaft initiiert wurden? Es blieb ungeklärt.
Selbstkritik nach schiefgegangenen Großeinsätzen? Fehlanzeige. Nach den Krawallen am 1. Mai 2008 gab es innerhalb der Polizei keine selbstkritische Nachbereitung. Es gebe ein „Kartell des Schweigens“.
Einer der Verfasser des Brandbriefs zur MOPO: „Bei diesem Führungsstil würde es mich nicht wundern, wenn es bald wieder einen Hamburger Kessel gibt.“ Beim „Hamburger Kessel“ waren 1986 mehr als 800 Anti-Atomkraft-Demonstranten am Heiligengeistfeld bis zu 16 Stunden rechtswidrig eingekesselt worden.
Weitere Kritikpunkte: Die im Aufbau befindliche Reiterstaffel der Polizei würde nicht 200000, sondern inklusive Personal mehr als 700000 Euro kosten.
Einer der kritischen Führungsbeamten: „Jantosch täuscht die Öffentlichkeit gnadenlos, was Kosten und Nutzungsmöglichkeiten der Reiterstaffel betrifft. Gleichzeitig setzt er sich mit dem Kriminalmuseum ein persönliches Denkmal.“
Der GAL wiederum werfen die Top-Beamten vor, die Überprüfung des autokratischen Führungsstils des Polizeipräsidenten dem „parteipolitischen Machtgeschacher“ zu opfern. Mehr noch: Die Top-Beamten sehen sogar generell die „demokratische Werthaltung“ der Polizisten bei dieser Art von Führung in Gefahr: „Mitarbeiter werden als widerspruchslose Befehlsempfänger herabgewürdigt.“
Einer der Beamten: „Und unser künftiger Bürgermeister Ahlhaus weiß das alles seit Jahren und unternimmt nichts.“
Der amerikanische Schriftsteller T.C. Boyle erreicht mit seinen Büchern („Wenn das Schlachten vorbei ist“, 2012) ein Millionenpublikum. Der Mann hält wenig von den Menschen, auch weil die die Umwelt zerstören.