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WELIKA CZABANKA (54) UND RENATE ZADDACH (68)

Zigaretten haben unser Leben zerstört

Das Sauerstoffgerät zischt leise. Jedes "Puff" rettet vorm Ersticken. Das Lachen ist schmerzhaft, doch die Harburgerinnen Welika Czabanka (54) und Renate Zaddach (68) lassen es sich nicht nehmen. Beide haben COPD - eine durchs Rauchen ausgelöste Lungenkrankheit, die voraussichtlich bald die dritthäufigste Todesursache in Deutschland ist.



COPD ist ein Sammelbegriff für eine Gruppe von Krankheiten, die durch Husten, vermehrten Auswurf und Atemnot gekennzeichnet sind. "Es kommt nicht genug Sauerstoff in die Lunge rein, aber auch nicht genug raus", erklärt Welika Czabanka in einfachen Worten ihr schlimmes Schicksal. Beide Frauen tragen eine sogenannte Sauerstoffbrille, verbunden mit einer Art Tank mit 46 Litern Flüssigsauerstoff. Die Krankenkasse hat das 3000 Euro teure Gerät bezahlt.



Welika Czabanka und Renate Zaddach bekamen ihre Diagnose beide vor neun Jahren, lernten sich über die Krankheit kennen und gehen seither den schweren Weg gemeinsam. Dazu gehört auch der Gang in die Selbsthilfegruppe am AK Harburg, in der sich die Lungenkranken ein Mal im Monat austauschen.



"An manchen Tagen fühle ich mich fit wie ein Turnschuh. Aber dann gehe ich 50 Meter und komme total aus der Puste", erzählt Czabanka. "Wir japsen an jeder Ecke." Das ängstigt. Und das nervt. So wie auch das Kortison, das sie nehmen müssen, durch das die Haut aufgedunsen und empfindlich wird. "Du bist glatt wie ein Babypopo, ich bin ganz schrumpelig", sagt Renate Zaddach zu ihrer Freundin. "So ein Quatsch - du siehst super aus, ich bin total faltig," kontert Welika Czabanka. Sogar das liebevolle Zanken ist für sie anstrengend.



Die Freundinnen rauchen seit vier Jahren nicht mehr. Dass sie sich die Krankheit durch das Qualmen selbst zugefügt haben, das stößt ihnen bitter auf. "Ich hab das Zeug ja sogar verkauft - lange Jahre habe ich in einem Tabakladen hier in Harburg gearbeitet", sagt Renate Zaddach.



Welikas Augen bekommen einen eigentümlichen Schimmer. "Als ich jünger war, dachte ich immer, dass ich ab 50 die Sau rauslassen werde", sagt sie. Doch daraus wurde nichts. Auch für Renate ist der Zug in vielerlei Hinsicht abgefahren. Aber sie hat wenigstens noch mal Amerika gesehen. Vier Mal ist sie in Las Vegas gewesen. Um zu spielen. Gewonnen? Klar! "Ich hab alles verdaddelt," sagt sie und lacht. Glücklich klingt es nicht.



Damals hat sie noch gearbeitet. "Dabei wollte ich reisen, wenn ich in Rente bin", sagt sie. "Aber das kann ich doch jetzt völlig vergessen."



Das Sauerstoffgerät pufft weiter. Überall muss sie es mit hinschleppen. Theater? Konzert? Solche Freizeitvergnügen schminkt sie sich ab. Ihre Freundin Welika weiß, wie sie den Leuten zu begegnen hat. "Auch wenn sie glotzen." So weiß auch schon ihr kleiner Enkel, was er der starrenden Meute sagen muss: "Oma hat Lachgas dabei, damit sie lustig ist." Der Lebenswille ist dennoch stark - manchmal kriegt sie Todesangst, besonders nachts. Ihr Mann liegt schon lange nicht mehr neben ihr, um sie zu beruhigen. "Letzte Woche habe ich mich zum ersten Mal davor gefürchtet, ins Bett zu gehen."

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Datum:  29.9.2008
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