Wer hätte nicht gern so einen Job? Das machen, was einen schon immer interessiert hat. Freie Zeiteinteilung, mehr oder weniger. Und davon auch noch ganz gut leben können - wenn auch bislang "ohne Auto und ohne Kinder". Doch auch das könnte sich Oliver Iost (34) wohl demnächst leisten.
Iost, studierter Informatiker und einst sehr aktiver Studierenden-Vertreter, hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Sein in vielen Jahren angesammeltes Wissen über BAföG, Studiengebühren und Karriereplanung, Diplomarbeiten und "Depressionen" hat er auf seiner Website versammelt.
Bereits seit 1999 existiert "Studis Online", Iosts Portal für Studierende. Uni-Lexikon inklusive. Für Erstsemester und die, die demnächst studieren wollen, bietet Iost mit seinem Team "grundlegende Informationen, die vor und mit Beginn des Studiums wichtig sind. Iost aus Hamburg-Altona ist also so etwas wie ein ewiger Student. Im besten Sinne. Sein erster Erfolg war der "BAföG-Rechner" (unter www.bafoeg-rechner.de), der potenziellen oder tatsächlichen Studenten in wenigen Schritten errechnet, wie viel BAföG ihnen wohl zusteht. In den Foren von Studis Online selbst sind mittlerweile rund 150000 Einträge zu den Themen eingegangen.
Nach einem langen Studium in Karlsruhe kam Oliver Iost 2001 nach Hamburg und fing bei der legendären Kabel New Media an. Doch die Firma ging kurz darauf Pleite, und so wechselte der gebürtige Heidelberger zum Spiegel Verlag, wo er bis 2004 arbeitete. "Doch als reiner Informatiker zu arbeiten war nicht meine Sache", sagt er. Außerdem ging es "gerade wieder aufwärts mit der Internet-Werbung" - und so wagte er die Selbstständigkeit. Erfolgreich.
Zwar kenne er seine aktuelle Bilanz nach Steuern noch nicht so genau, aber seine Einkünfte seien mittlerweile fast auf dem Niveau seines letzten Festangestelltengehalts. Neben klassischer Bannerwerbung sind die Google-Adwords seine größte Einnahmequelle. Vermittelt durch die Suchmaschine werben Banken oder Anbieter, die Hausarbeiten verkaufen, auf Studis Online.
Allerdings steht Iost nicht ohne Konkurrenz da. Mitbewerber für Studentenportale gibt es eine Menge. Viele Studierende bieten lokal ausgerichtete Websites, die von Uni-Partys und Ähnlichem berichten. Hauptkonkurrent www.unicum.de hat ungefähr genauso viele Besucher, aber als Online-Ableger des Printprodukts ein anderes Konzept.
Iosts typischer Arbeitstag? Er steht frühmorgens mit seiner Freundin auf, sitzt etwa um acht Uhr am heimischen Rechner. Er schaut die Statistik der vergangenen Tage an, guckt, ob es neue Nachrichten aus der Uniwelt gibt, liest die Beiträge, entfernt Werbung in den Foren, checkt und beantwortet E-Mails. Außerdem feilt er an seiner Suchmaschine.
Zwei freie Mitarbeiter unterstützen Iost bei der Redaktionsarbeit, schreiben über BAföG-Themen, wie man mit Powerpoint arbeitet oder berichten über Hochschulpolitik. Für die redaktionellen Inhalte nutzt Oliver Iost seine alten Kontakte.
Seine Spezialität ist die Studiumfinanzierung, von BAföG, Kindergeld, Krediten bis hin zu Studiengebühren. "Ich merke, dass gerade Schüler sehr verunsichert sind. Oft ist ihnen auch nicht klar, dass Studieren ein diffiziles Thema ist." Aber dafür gibt es ja Online-Nachhilfe.