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Gedichte aus dem Auktionshaus

Matthias Timm hat sich einer großen Herausforderung gestellt: Er will "Lyrik befreien". Aus ihrem "Zwischen-Buchdeckeln-Dasein", soll sie raus in die Welt geschickt werden. Sein Projekt nennt der 28-jährige Dichter und Germanistik-Student "Was ist Lyrik wert?". Das Prinzip ist einfach: Zehn Trilogien von Gedichten werden an insgesamt 30 Tagen beim Internetauktionshaus Ebay versteigert.



Noch bis zum 11. März verkauft Timm an jedem Tag ein Gedicht, per Hand geschrieben auf Holz, Baumwolle oder auch auf Tassen. Der Erfolg kann sich sehen lassen: Bislang hat er tatsächlich alle versteigert, für Preise von einem bis 51 Euro. Ein Auszug aus Timms Werk: "Neun Leben für die Liebe - neun Münder gebissen - achtzehn Hände gehalten". So beginnt Gedicht 3, das bereits verkauft ist.



Der Nachwuchslyriker selbst wartet jetzt auf seine Abschlusslesung, um dort auf seine Förderer zu treffen. Zumindest auf diejenigen, die sich ihr ersteigertes, lyrisches Kunstwerk persönlich abholen möchten. "Meine Käufer sind bisher nur Nutzernamen bei Ebay", sagt er. "Dabei interessiert es mich brennend, wer gesteigert hat."



Die ungewöhnliche Idee hatte Matthias Timm, weil er feststellte: "Lyrik hat heute kaum noch Bedeutung." Was man allein schon an den geringen Auflagen eines Gedichtbandes sehen könnte. Die Webverkaufsaktion "Was ist Lyrik wert?" soll nun ein Versuch sein, neue Wege zu gehen. "Ich will Menschen für Lyrik interessieren, sie ihnen wieder näher bringen." Timm hält das "Crossover" von Internet, Lesung und Lyrik ideal, um Aufmerksamkeit und dadurch neue Leser zu gewinnen. Zudem erschien ihm eine Versteigerung "als der beste Weg, plakativ den Wert von Lyrik darzustellen".



Bereits seit vielen Jahren schreibt und dichtet Matthias Timm. Er begeistert sich für die Gedichte von Pablo Neruda und weiß, dass er aus jedem Gedicht, das er je las, "etwas mitgenommen hat". Sei es Positives oder Negatives. Zurzeit arbeitet er gerade an einer Erzählung und sucht für seinen fertigen Roman "Bilbao" einen Verleger. Das Buch ist "ein Bildungsroman", sagt er. Es geht um einen jungen Mann, der von seiner Mutter ihm bis dahin Unbekanntes über seinen Vater erfährt. Eine Familiengeschichte, verwoben mit Details aus dem spanischen Bürgerkrieg.



Das Baskenland und die Stadt Bilbao liegen ihm besonders am Herzen. "Eigentlich ist es dort wie in Norddeutschland, nur stets um etwa zehn Grad wärmer."



Doch bevor er sich nach Abschluss des Studiums als Lyriker auf Reisen inspirieren lässt, soll das Projekt "Was ist Lyrik wert?" im Spätsommer in die nächste Runde gehen. Vielleicht in Köln oder Frankfurt. Denn in Hamburg hat er ja seiner Lyrik bereits die Freiheit geschenkt. Nun sind andere deutsche Städte dran.



Mit dieser Homepage wirbt Matthias Timm für seine Lyrikaktion

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Datum:  28.2.2006
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