Blutspenden sind in Hamburg knapp wie nie. Sogar Operationen werden verschoben (MOPO berichtete). Dabei gibt es hunderte Hamburger, die spenden wollen. Aber sie dürfen nicht: Weil sie schwul sind - und damit für die Gesundheitsbehörden gleichgestellt mit Prostituierten und Drogenabhängigen. Zwei Tage vorm Christopher Street Day zeigt sich, dass von Gleichstellung keine Rede sein kann.
Die Regelung stammt noch aus den 80er Jahren. Wer "zugibt", schwul zu sein, wird beim Spenden gleich abgewiesen. "Wir wollen kein Risiko eingehen. Zwar haben auch Heteros Aids, aber Schwule sind eine Risikogruppe und dürfen nicht spenden. Auch wenn sie seit Jahren in einer Partnerschaft leben", so Rainer Seitz, Leiter der verantwortlichen Abteilung Blutprodukte am Paul-Ehrlich-Institut, einer Unterbehörde des Bundesgesundheitsministeriums. Dabei sind die HIV-Tests mittlerweile hoch entwickelt. Seitz selber sagt, dass es "sehr unwahrscheinlich ist, dass jemand durchflutscht". Trotzdem sieht er keine Diskriminierung.
Dafür laufen die Hamburger Politiker Sturm. "Damit muss endlich Schluss sein. Das HIV-Risiko liegt bei schwulen Männern unter einem Prozent", so Farid Müller, schwulenpolitischer Sprecher der GAL. Auch für SPD-Kollege Lutz Kretschmann eine klare Diskriminierung: "Hier wird unterstellt, dass schwul gleich HIV-positiv ist. Diese Regelung gehört in den Mülleimer!" Derweil vermissen die Jungliberalen (JuLis) die Vorbildfunktion von Bürgermeister Ole von Beust: "Spendet er kein Blut, weil er schwul ist oder weil er nicht spenden will", fragt JuLi-Chef Tobias Nesemann.
Blutknappheiten könnten jedenfalls der Vergangenheit angehören - denn immerhin schätzt man, dass drei bis zehn Prozent der Bevölkerung homosexuell sind. Aber in der für Gleichstellung zuständigen Sozial- und Gesundheitsbehörde von Senatorin Birgit Schnieber-Jastram (CDU) fühlt man sich für das Problem nicht verantwortlich, so Sprecher Rico Schmidt.
Der schwule Oliver Thiesen (38) ist davon einfach nur enttäuscht: "Ich will ja helfen, aber darf einfach nicht." Übrigens: In vielen europäischen Ländern und sogar im homofeindlichen Russland dürfen Schwule Blut spenden.
Heidi, Hans und Franz haben sich von Seal getrennt. Dabei hat das penetranteste aller Promi-Paare doch gefühlt so oft geheiratet wie Lothar Matthäus. Da fragt sich die geneigte Leserin: Sind diese alljährlichen Hochzeitswiederholungen am Strand eigentlich mit einer einzigen Scheidung zu erledigen?