Nachdem Manfred K. (50) aus Ottensen zum dritten Mal von einer seiner hochgiftigen Schlangen gebissen wurde (MOPO berichtete), hat die SPD gestern den Gesetzesantrag einer "Gefahrtierverordnung" für Giftschlangen und andere Exoten an die Bürgerschaft gestellt. "Wir brauchen ein Regelwerk, das Gefahren für Nachbarn und Allgemeinheit eindämmt", sagt der SPD-Abgeordnete Andreas Dressel. Der Grund: Die Haltung von Exoten im Wohnzimmer boomt. Die MOPO beantwortet die wichtigsten Fragen:
- Wer kontrolliert die Einfuhr von exotischen Tieren?
Die Einfuhr der exotischen Tiere wird vom Zoll in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Naturschutz kontrolliert. 2001 waren es noch 46000 Tiere, 2006 bereits 93000. Den größten Anteil der nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen geschützten Tiere machen Grüne Leguane und Chamäleons aus. Die geschützten Tiere sind jedoch nur ein kleiner Teil der exotischen Haustiere in Hamburg. Die meisten sind nicht geschützt, wie zum Beispiel Kobras und Grüne Mambas.
- Welche Voraussetzungen müssen Halter von nicht speziell geschützten Exoten erfüllen?
Die Halter müssen bei der Umweltbehörde nur nachweisen, dass sie ihre Haustiere legal erworben haben. Unter welchen Bedingungen die Tiere leben und ob der Besitzer in der Lage ist, sich um die gefährlichen Tiere zu kümmern, ist egal.
- Warum gibt es keine "Haltergenehmigungen"?
Der Senat sieht dafür offensichtlich keine Gründe. Volker Dumann, Sprecher der Umweltbehörde, sagt lediglich: "Die gibt es nicht, weil es dafür in Hamburg keine Vorschriften gibt. Das Ganze ist über das Sicherheits- und Ordnungsgesetz geregelt, nach dem keine Dritten gefährdet werden dürfen."
- Wie sieht es in anderen Bundesländern aus?
Fast überall müssen die Halter von zum Beispiel Giftschlangen eine Genehmigung beim Ordnungsamt beantragen. Nur in Hamburg und Bremen nicht. In Hessen ist die private Haltung von giftigen Tieren grundsätzlich verboten. Seit Jahren fordern Tierschützer eine entsprechende Regelung auch von Hamburger Politikern. "Exotische Tiere wie Schlangen oder Echsen gehören nicht in private Hände", sagt die Vorsitzende des Hamburger Tierschutzvereins Gabriele Waniorek-Goerke. Jan Knoll (34), Schlangenexperte der Hamburger Feuerwehr, fordert, dass exotische Tiere in jedem Fall gemeldet werden müssten. "Zudem sollten die Besitzer eine Schulung machen, um zu beweisen, dass sie das Tier halten können."
- Wie viele exotische Tiere leben in Hamburg, welche Arten und wie viele Züchter gibt es?
Vor einem Jahr waren es etwa 4000 exotische Haustiere. Jan Knoll schätzt: "Heute gibt es in jedem vierten Haushalt in Hamburg exotische Tiere, besonders Vogelspinnen und kleinere Schlangenarten." Eine Statistik über die Anzahl, Art und Züchtung der Tiere gibt es nicht. "Weil es dazu bisher keine gesetzlich Regelung gibt", so Volker Dumann.
- Warum wurde im Fall von Manfred K. nichts unternommen?
"Die von dem Mann gehaltenen Tiere sind nicht besonders geschützt und er hat auch nicht gegen das Tierschutzrecht verstoßen. Wenn Dritte gefährdet gewesen wären, hätte man eingreifen können", so Dumann.
- Was passiert nun mit den Schlangen?
Derzeit sind die Schlangen, um die sich das Bezirksamt kümmert, in der Eigentumswohnung des Mannes. Er soll nach wie vor in Lebensgefahr schweben. "Da erneut keine Gefahr für Dritte bestand und er die Tiere vorschriftsmäßig hielt, wird er sie behalten dürfen", so Dumann.
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