Bei der Vergabe der öffentlichen Abschleppaufträge für die nächsten vier Jahre erhielt das Unternehmen jetzt den Zuschlag.
Insgesamt wurden von der Finanzbehörde 15 Lose ausgeschrieben. Und bei drei Losen hat Aktiv-Transport gewonnen. Seit dem 1. Juni gilt: Wen die Polizei im Gebiet der Kommissariate 15, 16, 21 und 23 (also St. Pauli, Altona, Lokstedt, Hoheluft) beim Falschparken erwischt, dessen Wagen wird von Aktiv-Transport an den Haken genommen.
Konkurrenzfirmen gehen juristisch gegen diese Entscheidung vor. Ihr Argument: Wie kann es sein, dass eine Firma zum Zuge kommt, die derartig anrüchig ist? Öffentliche Aufträge dürfen laut Gesetz nur an "gesetzestreue, zuverlässige Unternehmen vergeben" werden.
Edda Castello von der Verbraucherzentrale: "Auch ich finde es unmöglich, dass Behörden mit Aktiv-Transport zusammenarbeiten." Aktiv-Transport verstoße systematisch gegen geltende Rechtsprechung, verlange weiter 250 Euro fürs Abschleppen, obwohl Gerichte entschieden haben, dies sei zu viel.
Bei der Jagd nach Falschparkern ist Aktiv-Transport zudem trickreich: Ende Mai berichtete die MOPO über ein Grundstück in der Nähe des Groß Flottbeker Wochenmarktes, eine Liegenschaft der Finanzbehörde. Die Schranke vor der Einfahrt stand stets (absichtlich?) offen, Parkverbotsschilder waren (bewusst?) unsichtbar angebracht. Viele Autofahrer stellten ihren Wagen mit gutem Gewissen ab. Dann kam der Abschleppwagen.
Die Berichterstattung hatte Folgen: Die Finanzbehörde sorgte dafür, dass die Grundstücksverwaltung den Vertrag mit Aktiv-Transport kündigte. Trotzdem erhält das Unternehmen jetzt öffentliche Aufträge.
Wieso? Behörden-Sprecher Daniel Stricker bedauert: "Als der Groß-Flottbek-Fall bekannt wurde, war das Vergabeverfahren bereits beendet." Im Übrigen sei das Votum der Polizei eingeholt worden. Und die habe gegen Aktiv-Transport nichts einzuwenden gehabt.