Zentrale Lage, zwei schöne Innenhöfe und der Charme eines fast 100 Jahre alten Gebäudes - ein Schmuckkästchen in Wandsbek. Doch so recht will die schicke Immobilie niemand haben. Seit etwa einem Jahr steht die ehemalige Jugendarrestanstalt leer.
Mario Wieschollek (60) kümmert sich als Hausmeister um die Wandsbeker Justizgebäude. Doch auch der denkmalgeschützte Knast hat es ihm angetan. Mit einem schweren Schlüsselbund am Revers schaut er einmal in der Woche nach dem Rechten. Beim Gang durch die filmreife Knastkulisse denkt er immer wieder an die Zeit, als hier noch Leben herrschte: "Für die Jugendlichen muss das ein Schock fürs Leben gewesen sein. Das erste Mal ins Gefängnis und dann in so ein altes Ding." Carsten Grote, Sprecher der Justizbehörde, macht deutlich: "Jugendarrest soll den Jugendlichen ihre Grenzen aufzeigen."
Über vier Jahrzehnte lang wurden hier "heranwachsende" Straftäter weggesperrt. Lediglich die Graffiti an der Wand erinnern noch an die Zeit der belebten Arrestanstalt. Wieschollek hat den Jugendlichen ab und zu Arbeiten gegeben - willkommene Abwechslung im tristen Knastalltag. "Deshalb waren die Jungs auch immer nett zu mir", sagt er.
Der Haupteingang des Gefängnisses - eine unscheinbare Holztür. Erst die scheppernde Klingel lässt vermuten, dass sich hinter der Fassade eine Strafanstalt verbirgt. Im Haus standen 24 Plätze zur Verfügung. 18 Plätze für den Vollzug des Arrests und sechs weitere Haftplätze für den Übergangsvollzug junger Strafgefangener. Durchschnittliche Zellengröße: sechs Quadratmeter!
Ideen für eine Nachnutzung gab es einige. Unter anderem sollte ein Backpacker-Hotel entstehen. Käufer? Fehlanzeige. Wer Interesse hat, Besitzer eines Knasts zu werden, meldet sich unter 428234263 oder 428234264.
Filmreife Knastkulisse in der Wandsbeker Jugendarrestanstalt: Noch immer wird ein Käufer des denkmalgeschützten Gebäudes gesucht
Luxus sieht anders aus! Die Zellen sind rund sechs Quadratmeter groß