Der Vogelpark Walsrode pfeift finanziell aus dem letzten Loch: Nach 46 Jahren droht dem weltberühmten Vogelzoo 100 Kilometer vor Hamburgs Toren das Aus. Mitarbeiter mussten Wochen auf ihre Gehälter warten, die Stadtwerke drehten sogar schon stundenweise das Wasser ab, weil Rechnungen nicht bezahlt wurden. Ein belgischer Investor soll nun eine der ältesten Touristenattraktionen in der Heide retten. Auch umliegende Kommunen und die EU wollen Millionen lockermachen.
"Unser Anliegen ist es, den Vogelpark attraktiver zu machen, ohne den ursprünglichen Charakter zu verändern und somit die Arbeitsplätze zu sichern", sagte Michael Lebid (SPD), Bürgermeister von Bomlitz (Niedersachsen) gestern. Seine Gemeinde hat Fördermittel bei der EU beantragt, insgesamt sollen 16 Millionen in die Rettung des ganzjährig geöffneten Parks fließen.
Die Notlage ist dramatisch: Der Vogelpark steht bei Strom-, Gas- und Wasserversorgern in der Kreide. Die Gemeinde Bomlitz hat Forderungen alleine aus 2008 von mehr als 80000 Euro. Rund 60 fest angestellte Tierpfleger bekamen ihre Dezember- und Januargehälter erst in dieser Woche ausgezahlt. Das Geld stammt von dem belgischen Investor - ein Vorschuss, denn Verträge sind noch nicht unterschrieben.
"Die Vogelgrippe im Jahr 2006 hat zu massiven Besucherrückgängen geführt", erklärt Vogelpark-Geschäftsführer Michael Hahnke: "Die Zahl fiel von 350000 Gäste im Jahr auf knapp 300000. Dadurch fehlten uns Mittel für die Werbung." Schwarze Zahlen schreibt der Park erst ab 330000 Besuchern. Nun soll die riesige Anlage (240000 Quadratmeter) mit den EU-Millionen um einen "Erlebnisweg" erweitert werden. Hahnke: "Wir überlegen, einen kombinierten Eintritt zu ermöglichen."
Am Anfang des berühmten Parks stand 1962 die private Fasanen- und Wasservogelzucht eines Walsroder Kaufmanns. Inzwischen leben 4000 Vögel aus über 700 Arten im Zoo, viele noch in alten Volieren, eingebettet in die Parklandschaft. Flugshows, eine Freiflughalle sowie eine Tropenwaldhalle sollten das etwas angestaubte Image in den vergangenen Jahren aufpeppen.
Ob der belgische Retter die Storche, Kakadus und Pinguine von Walsrode unter seine Fittiche nimmt (oder sich als Windei entpuppt), entscheidet sich in den kommenden Tagen.
Eingang zum Park: Erwachsene zahlen 14 Euro, Kinder neun Euro.
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