Die frühen Beatles-Songs bestehen auch nur aus sechs Akkorden. Bei Elektro fehlt ihm die harte Bassline und Vocal House ist ihm viel zu lasch. Georg Roll (37) ist der Typ, mit dem sich - was Trance und Hardstyle angeht - keiner auf eine Diskussion einlassen sollte. Der Kiez-Kenner betreibt seit 13 Jahren die Techno-Residenz Tunnel (Beim Trichter 1a). An diesem Sonnabend will er seinem Kult-Club mit einem Mega-Rave im extra gesperrten Wallringtunnel ein Denkmal setzen.
Denn neben seiner Spürnase für gute Computermusik besitzt Georg Roll vor allem eines - einen echten Riecher fürs Geschäft. Als sein erster Tunnel-Club 1993 auf der Großen Freiheit 10 (heute Superfly) seine Pforten öffnete, eroberten Techno-Stars wie Carl Cox, Westbam und Steve Mason gerade die Charts. DJ-Größen wie Jens Mahlstedt, Gary D und Timo Maas gaben sich in Rolls Katakomben-keller fortan die Klinke in die Hand. Selbst Coocon-Legende Sven Väth schaute vorbei. "Obwohl er mir schon damals eigentlich zu teuer war", erinnert sich Roll. "Damals kostete er nämlich 1000 Mark für einen Abend."
Anfang 2002 wurde es für das Tunnel-Team Zeit, sich zu vergrößern. Der Umzug in die jetztige, doppelt so große Location - eine ehemalige Autowerkhalle neben dem Mandarin Kasino - folgte. "Endlich konnten wir die Boxen komplett aufdrehen, ohne Rücksicht auf die Nachbarn nehmen zu müssen", freut sich Roll noch heute.
Die Zahl seiner Wochenendbesucher ist seit vier Jahren konstant. Jeden Freitag und Sonnabend zelebrieren rund 700 vorwiegend junge Raver die harten Beats der Residents Yanny und Dean, als wäre der Techno-Trend der Neunziger nie abgeflaut. Bunt gefärbte Kurzhaarfrisuren, Piercings und knappe Netz-T-Shirts gehören hier noch immer zum gängigen Club-Schick.
Dass auch die eigene Marke Tunnel Records bundesweit nichts von ihrer Strahlkraft eingebüßt hat, zeigen die Verkaufszahlen. Die letzte CD-Compilation Tunnel Trance Force Vol. 37 ging in den ersten Wochen 13000 Mal über die Ladentheke. Andere Produkte wie der Tunnel-Energy Drink - der verdächtig nach "Red Bull" schmeckt - und das Tunnel-Bier finden ebenso reißenden Absatz an der Haus-Bar. "Ich denke nicht, dass die Bewegung eines Tages stirbt. Die Fangemeinde von elektronischer Musik hat sich nur in kleinere Gruppen gespalten", philosophiert Georg Roll.
Zu seiner Time Tunnel-Party im Wallringtunnel am Sonnabend (22 Uhr, VVK 15 Euro unter www.tunnel.de , AK 20 Euro) erwartet der Event-Macher - wie 1997 schon - wieder 2000 Raver aus ganz Deutschland. Die Röhre am Hauptbahnhof wird die ganze Nacht lang für den Autoverkehr gesperrt. Der Zugang ist während der Party nur aus Richtung Binnenalster möglich. Gary D., Schoko, Isaac, Sam Punk, Shane, Neo, Apollo, Joeker und viele andere Rave-DJs geben hinter den Plattentellern Gas. Der Kult geht weiter.
Alle Infos und DJs unter: www.timetunnelrave.de
Heidi, Hans und Franz haben sich von Seal getrennt. Dabei hat das penetranteste aller Promi-Paare doch gefühlt so oft geheiratet wie Lothar Matthäus. Da fragt sich die geneigte Leserin: Sind diese alljährlichen Hochzeitswiederholungen am Strand eigentlich mit einer einzigen Scheidung zu erledigen?