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WAHLPLAKAT-KLAU

Der dreiste FDP-Freund

Engagierte Wahlkämpfer sind bei allen Parteien gern gesehen. Und engagiert war Heiko W. (49) wirklich. Wochenlang verteilte er an FDP-Infoständen Flyer, sprach Dutzende Passanten direkt an und trat sogar zusammen mit FDP-Spitzenkandidat Hinnerk Fock auf. Pech für die Elb-Liberalen: Bei Heiko W. handelte es sich um den notorischen Wahlplakat-Klauer von Wandsbek, der hunderte Schilder, vor allem von der CDU und GAL gestohlen hatte.



Vergangenen Sonnabend an der Wandsbeker Königstraße, Ecke Wandsbeker Chaussee: Großer Aufritt für Hinnerk Fock, den FDP-Spitzenkandidaten. Begleitet von einem Fernsehteam wirbt er an einem Infostand seiner Partei für die Liberalen. Immer dabei: Heiko W. Der große und stämmige Mann trägt Sweatshirt und Daunenweste, verteilt hunderte Flyer. Klaus-Dieter Abend (62), stellvertretender FDP-Kreischef Wandsbek: "Er hatte mich angerufen, wollte uns helfen, in die Bürgerschaft zu kommen. Das hört man doch gern. Er hat Material bekommen und es auch fleißig verteilt." Lediglich die manchmal aggressive und penetrante Art fiel den Liberalen an den Infoständen auf.



Dann bot Heiko W. der FDP an, ihr 150 Stellschilder zu schenken. Schilder, die er, wie die Polizei später ermittelte, anderen Parteien in Wandsbek gestohlen und in seiner Wohnung gehortet hatte. Die FDP freute sich und übergab W. Plakate mit Hinnerk-Fock-Konterfei. Heiko W. stellte mindestens ein Dutzend der Plakate rund um den Wandsbeker Markt auf. Markiert waren die Schilder von den Parteien nicht, so die FDP, lediglich der Name W.s prangte auf den Rahmen. Klaus-Dieter Abend: "Wir hatten schon die Sorge, dass die Plakate von anderen Parteien stammen, aber sie waren ja nicht markiert. Im Übrigen, wir sind eine kleine Partei und brauchen jede helfende Hand." Als Abend dann am Mittwoch von der Durchsuchung der Wohnung seines fleißigsten Wahlhelfers in der MOPO las, fiel er aus allen Wolken. Tröstlich für Abend: Mitglied der FDP war der Schilder-Klauer nicht. Heiko W. war Mitglied der SPD. Als er einmal an einem FDP-Infostand von einem Genossen angesprochen wurde, warum er denn für die FDP werbe, sagte W.: "Keine Angst, ich bleibe in der SPD, ich will denen nur ein bisschen helfen." Laut SPD ist Heiko W. aber inzwischen aus der Partei geflogen - weil er den Sozialdemokraten erklärt hatte, er sei in der FDP! In der SPD-Zentrale an der Kurt-Schumacher-Allee (St. Georg) hatte W. sogar Hausverbot. In aggressiver Form soll er dort den Wahlkampf-Strategen unaufgefordert kluge Tipps gegeben haben, wie man die Wahl gewinnt. Als die Kripo am Dienstag die 45 Quadratmeter große Wohnung W.s am Thiedeweg in Wandsbek durchsuchte und 170 Stellschilder fand, schimpfte der 49-Jährige: "Das ist unzulässige Wahlbeeinflussung!"

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Datum:  8.2.2008
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