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Janukowitsch führt bei Präsidentenwahl in Ukraine

Kiew - Bei der Präsidentenwahl in der Ukraine zeichnet sich ein knapper Sieg für den pro-russischen Oppositionsführer Viktor Janukowitsch ab. Der Wahlverlierer der demokratischen Revolution von 2004 kam auf 48,28 Prozent der Stimmen, nachdem rund 95 Prozent der Wahlzettel ausgezählt waren.

Damit verringerte sich Janukowitschs Vorsprung gegenüber seiner Rivalin, der pro-westlichen Regierungschefin Julia Timoschenko, auf unter drei Prozentpunkte. Sie lag nach Angaben der Wahlkommission in Kiew vom Montag bei 46,11 Prozent. Janukowitsch, der 59 Jahre alte NATO-Gegner, hatte sich schon am Sonntag nach der Abstimmung zum Sieger der Stichwahl erklärt.

Timoschenko, die Heldin der Orangenen Revolution von 2004, warf Janukowitsch wie vor fünf Jahren Wahlfälschung vor. «Wir werden um jede Stimme kämpfen», sagte sie. Es wird erwartet, dass die 49-Jährige bei einer knappen Niederlage gerichtlich gegen das Ergebnis vorgehen wird. Sie warnte noch am Wahlabend vor voreiligen Schlüssen aus den Prognosen, die Janukowitsch als Sieger gesehen hatten.

Das knappe Wahlergebnis in dem für die EU wichtigsten Transitland für russische Gaslieferungen stärkt nach Ansicht von Beobachtern Timoschenkos Position als Regierungschefin. Janukowitsch forderte sie zwar nach der Wahl auf, ihr Amt niederzulegen. Er will den schwerreichen Bankier Sergej Tigipko in seine Führungsmannschaft einbinden, der im ersten Wahlgang vor drei Wochen Dritter geworden war. Tigipko hatte sich als Regierungschef angeboten. Damit müsste Timoschenko in die Opposition. Es gilt aber als sicher, dass die charismatische Politikerin ihren Posten nicht kampflos räumen wird.

Unter dem Präsidenten Janukowitsch dürfte sich das zuletzt zerrüttete Verhältnis zwischen der Ukraine und ihrem großen Nachbarn Russland deutlich entspannen. Der im russischsprachigen Osten des Landes verwurzelte Janukowitsch will Russisch zur zweiten Amtssprache machen und mit Moskau gegen mehr Geld über die längere Stationierung der russischen Schwarzmeerflotte auf der ukrainischen Halbinsel Krim über 2017 hinaus verhandeln.

Seine Rivalin hatte zwar ebenfalls auf kritische Töne gegen Moskau verzichtet, jedoch stets für eine «europäische Ukraine» geworben. Russlands Botschafter in Kiew, Michail Surabow, kündigte am Wahlabend unabhängig vom Ergebnis eine enge Kooperation mit dem neuen Präsidenten an. Beobachter werteten dies als Zeichen, dass auch Moskau einen Neuanfang in den Beziehungen mit Kiew anstrebt.

Janukowitsch hatte sich auch 2004 in dem nach Russland zweitgrößten Flächenland Europas zum Sieger erklärt. Er verlor damals aber nach einem Skandal um Wahlfälschung und Massenprotesten der Orangenen Revolution die Wiederholung der Abstimmung gegen Viktor Juschtschenko. Der Amtsinhaber hatte im ersten Wahlgang Mitte Januar wegen gebrochener Reformversprechen und seiner anti-russischen Politik eine schwere Niederlage erlitten.

Inzwischen trauen auch westliche Experten dem vor fünf Jahren noch geschmähten Janukowitsch den Ausweg aus der Krise des Landes am ehesten zu. Die Wahlen in der Ex-Sowjetrepublik gelten als frei. Auch westliche Beobachter sprachen von einem weitgehend ordnungsgemäßen Wahlverlauf. Eine zweite Orangene Revolution wie 2004 galt als unwahrscheinlich.

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Datum:  8.2.2010
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