Lohndumping bei der Saga/GWG? Die Gewerkschaft ver.di wirft dem städtischen Wohnungskonzern vor, über eine eigene Zeitarbeitsfirma billige Leiharbeiter zu beschäftigen. Die Bezahlung dieser Mitarbeiter liege 30 Prozent unter dem Gehalt der regulären Saga-Beschäftigten. Saga-Sprecher Mario Spitzmüller weist die Kritik zurück.
2007 gründete die Saga/GWG ihre Zeitarbeitsfirma BCH. Hier sind 75 Mitarbeiter angestellt, zuständig für leichte Bürotätigkeiten und Hausmeister-Hilfsdienste. Sie verdienen weniger, bekommen nur befristete Arbeitsverträge, haben keinen Kündigungsschutz. "Diese Aufgaben haben auch vorher schon Zeitarbeiter erledigt", so Saga-Sprecher Spitzmüller. Er verteidigt die Beschäftigung zum Billigtarif: "Günstige Personalkosten kommen ja auch unseren Mietern zugute, die dadurch günstigere Mieten zahlen."
Hamburgs ver.di-Chef Wolfgang Rose sieht das anders: "Diese Zeitarbeiter nehmen die regulären Aufgaben von Tarifbeschäftigten wahr, bekommen dafür aber ein Drittel weniger Gehalt als ihre fest angestellten Kollegen." Der Gewerkschafter geißelt die Personalpolitik des städtischen Unternehmens (rund 130000 Wohnungen) als "Missbrauch des Zeitarbeitsgesetzes."
An der Spitze der Saga steht eine Grüne: Stadtentwicklungssenatorin Anja Hajduk (GAL) ist Vorsitzende des Aufsichtsrats. Peter Bremmer, bei ver.di zuständig für die Wohnungswirtschaft, übt scharfe Kritik an der Politik. "Es ist ein Skandal, dass die Stadt von solchen prekären Beschäftigungsverhältnissen in ihrem Unternehmen profitiert. Letztlich dienen die Saga-Leiharbeiter dazu, dass die Stadt die Elbphilharmonie bauen kann."
2006 hatte die Saga die GWG gekauft, für eine halbe Milliarde Euro. Fünf Jahre lange muss die Saga dafür 100 Millionen Euro an die Stadt zurücküberweisen, in diesem Jahr ist die letzte Rate fällig. Ver.di-Chef Rose: "Dieses Geld fehlt der Saga. Deshalb werden Wohnungen nicht saniert, es werden weniger neue Sozialwohnungen gebaut und der Tarif für Festangestellte wird durch Leiharbeiter unterlaufen."