Auf "NDR Info" sagte Ahlhaus, man müsse angesichts der Finanznot überlegen, "ob möglicherweise ein Intendant für mehrere Häuser zuständig sein kann".
Die Idee einer Generalintendanz für Schauspielhaus und Thalia war in der Vergangenheit häufiger in der Diskussion, wird in der Theaterszene aber äußerst kritisch gesehen. Der frühere Thalia-Intendant Jürgen Flimm bezeichnete den Ahlhaus-Vorstoß als "völligen Blödsinn". Das sei "eine völlig unüberlegte Geschichte, die von keinerlei Sachkenntnis getrübt ist". Schließlich käme auch niemand auf die Idee, dem HSV und dem FC St. Pauli denselben Präsidenten zu verpassen, so Flimm.
Jack Kurfess, der am 1. Oktober zunächst die Leitung des Schauspielhauses übernimmt, nahm die Idee des Ersten Bürgermeisters ebenfalls skeptisch auf. Das Hamburger Kulturleben ziehe seinen besonderen Reiz aus der eigenständigen Existenz der beiden großen Theater. "Der damit verbundene künstlerische Wettbewerb erzeugt großartige Ergebnisse", so Kurfess.
Zu den Gründen für den Schirmer-Rücktritt sagte Kurfess gegenüber der MOPO: "Ich denke, er hatte das Gefühl, dass man das Defizit im Betriebshaushalt nie wieder reinholen kann. Er hatte gehofft, dass das Defizit ausgeglichen wird." Das habe die Behörde in den Gesprächen seit Mai auch signalisiert. Aushilfs-Intendant Kurfess, der seit 2001 als kaufmännischer Direktor am Schauspielhaus ist, hatte schon vor zwei Wochen von Schirmers Rücktrittsabsichten erfahren, konnte ihn nicht mehr umstimmen.
Am Donnerstag stellte Kurfess sein neues Leitungsteam vor, mit dem er nun bis 2012 planen will. Die bevorstehende Intendantensuche müsse nun „mit aller gebotenen Ruhe“ starten. "Jeder, der sich auf das Abenteuer Schauspielhaus einlässt, muss wissen, was auf ihn zukommt. Man muss ihm eine verlässliche Perspektive bieten", sagte Kurfess.
(mh/kam)