Zum zweiten Mal stand der Polizist wegen eines angeblichen Sexualdelikts vor Gericht - und zum zweiten Mal gab es einen Freispruch. Erleichterung gestern bei Kamiar M. (30), als die Richterin am Amtsgericht Blankenese die Entscheidung verkündete. Abgeschlossen ist der Fall für den Beamten aus Rissen jedoch nicht. Weil er sich während der Ermittlungen unfair behandelt fühlte, will er nun die Polizei verklagen.
Der gebürtige Iraner war angeklagt, im September 2007 seine beste Freundin (30) gewürgt und sexuell bedrängt zu haben (MOPO berichtete). Er soll sie in den Schwitzkasten genommen, ihr an die Brust gefasst haben. Der Polizist kennt die Frau seit der Kindheit, ab und zu hatten sie Sex. An dem Abend war sie zu ihm geeilt, weil er sich angeblich umbringen wollte. Dann sei es zu dem Übergriff gekommen.
Der Angeklagte schwieg vor Gericht, die Frau sagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. "Es kann sein, dass sich der Vorfall so oder so ähnlich zugetragen hat. Wir können aber nicht mit Sicherheit sagen, was passiert ist", so die Richterin - Freispruch. Der Staatsanwalt hatte ein Jahr Haft auf Bewährung gefordert.
Bei dem Fall gab es mehrere Unklarheiten. So hatte die 30-jährige Frau lange verschwiegen, dass sie mit Kamiar M. ab und zu sexuelle Kontakte gehabt hatte. Außerdem habe sie während des Übergriffes laut geschrien. Eine Nachbarin sagte jedoch aus, dass sie trotz Hellhörigkeit der Wohnung nichts gehört hatte. Die Richterin bemängelte auch, dass die Frau bei ihrer Befragung oft ausweichend und ungenau geantwortet habe.
Es ist der zweite Freispruch für Kamiar M. 2006 hatte eine Frau (34) nach einem One-Night-Stand mit ihm behauptet, vergewaltigt worden zu sein. Doch die Richterinnen glaubten ihr nicht.
Der Polizist will nun vor dem Verwaltungsgericht gegen die Polizei klagen. Es geht um die Ermittlungen, die er teils als rechtswidrig ansieht. So hatte ihn der Leitende Polizeidirektor unter einem Vorwand ins Büro gerufen, wo fünf Beamte des Mobilen Einsatzkommandos hineinstürmten und den überraschten Kollegen unter Vorhalt einer Waffe festnahmen. Außerdem war seine Wohnung ohne Durchsuchungsbefehl durchwühlt worden.
War das der Grund für das ungewohnte Vorgehen? Nach dem Freispruch 2006 hatte er sich beim Innensenator über seine Behandlung durch die Polizeispitze beschwert. Seinen Job will Kamiar M. trotz allem weiter ausüben. Er will so schnell wie möglich an seine Barmbeker Wache zurückkehren.
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