So ein Fall kommt eher selten vor: Ein Polizist zahlt einem Demonstranten freiwillig 500 Euro Schmerzensgeld. Der Beamte Michael H. (40) räumte gestern vor dem Amtsgericht ein, dass er einem Demonstranten ohne Grund mit der Faust ins Gesicht geschlagen und ihm das Knie in den Unterleib gestoßen habe: "Das war ein Riesenfehler und durch kein Verhalten des Geschädigten gerechtfertigt", so der Angeklagte gestern kleinlaut.
Die Prügelszene hatte sich am 30. Mai 2007 spätabends am U-Bahnhof Sternschanze ereignet, als zahlreiche G8-Proteste in der Stadt stattfanden. Ein Polizeivideo zeigt, wie Michael H. einen zurückweichenden Mann schlägt und tritt. Das Opfer kann den Angriffen kaum ausweichen, steht schon dicht am Bahnsteigrand. Mehrere Polizisten sahen dem Ausraster ihres Kollegen tatenlos zu, wie die Video-Aufnahme zeigt.
Nach den Übergriffen musste der Verprügelte sich auch noch einer Durchsuchung unterziehen. "Der Geschädigte wird von Ihnen ja wie ein Beschuldigter behandelt", so die Staatsanwältin sichtlich befremdet beim Betrachten der Video-Aufnahmen.
Der Beamte hatte zu Beginn des Verfahrens behauptet, er habe sich verteidigen müssen. Er habe auch überlegt, seinerseits das Prügelopfer wegen "Widerstands" anzuzeigen. "Das Video zeigte aber, dass ich da was nicht geschnallt habe", so Michael H. gestern.
Er hat sich inzwischen schriftlich entschuldigt und Schmerzensgeld überwiesen. Das Opfer hatte eine Kieferprellung und Hämatome am Schambein erlitten.
Das Verfahren wegen Körperverletzung im Amt wurde gestern gegen eine Zahlung von 1000 Euro eingestellt. Der verprügelte Demonstrant sagte gestern nicht aus, er ist derzeit in Australien.
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