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VOR GERICHT I

Der Mahnungsbetrug

Darauf muss man erst mal kommen: Der Arbeitslose Jörn H. (64) gab sich als promovierter Jurist aus und schickte dem Quelle-Versand Mahnbescheide über 17,6 Millionen (!) Euro. Der Hobby-Anwalt hatte sich eine hanebüchene Geschichte für den Gerichtsvollzieher ausgedacht. Gestern stand er vor dem Harburger Amtsgericht - als Angeklagter.



Seine Legende: Im Jahr 1965 hätten Quelle-Mitarbeiter ihren Beitrag für den Hamburger Fitness-Club "Vitatop" nicht bezahlt, schrieb Jörn H. alias Rechtsanwalt Dr. Bernd Hansen an ein Berliner Amtsgericht. Die ausstehenden 300 Mark hätten sich mit Zins und Zinseszins inzwischen auf 17,6 Millionen Euro summiert.



"Ich wollte denen eins auspulen", sagte der Mann mit dem strähnigen Grauhaar gestern. Er hatte sich geärgert, wollte die bestellte Matratze und die Pullunder nicht bezahlen: "Ich war unwillig zu zahlen, das ist doch nicht strafbar." Auch einen wertvollen Brockhaus und teure Weinlieferungen "wollte" er nicht bezahlen.



Der gelernte Spediteur und angebliche Inhaber einer Firma in Libyen ist einschlägig vorbestraft: 1993 hatte er gefälschte Mahnbescheide an verschiedene Firmen verschickt. Gesamtsumme: 1,8 Milliarden Euro.



Kurz nach Ende seiner Haftstrafe verschickte H. die Briefe an Quelle. Vier Jahre drückte er sich vor dem Prozess, behauptete gegenüber Polizei und Gericht: "Das war ich nicht, das war mein eineiiger Zwillingscousin." Erst gestern legte er ein Geständnis ab, das Gericht erkannte auf verminderte Schuldfähigkeit wegen einer narzistischen Störung. Strafe: anderthalb Jahre auf Bewährung.

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Datum:  20.12.2005
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Thomas Hirschbiegel

Aufschriften auf Firmenwagen sind immer wieder ein ergötzliches Thema. Jetzt stand ich am Eimsbütteler Markt hinter einem Transporter, auf dem stand: „Vor Ihnen fahren die Maler mit Freude am Beruf.“