Tränen der Erleichterung bei den Geschwistern im Zuschauerraum, ein scheues Lächeln auf dem Gesicht des Angeklagten: Gökhan T. (21), der seinen tyrannischen Vater tötete, wurde gestern zu zwei Jahren und elf Monaten Haft wegen Mordes verurteilt. Ab einer Haftstrafe von drei Jahren hätte dem jungen Mann die Abschiebung in die Türkei gedroht - wo die Familie seines toten Vaters bereits Blutrache angekündigt hat.
Mit 31 Messerstichen hatte der schmächtige junge Mann am frühen Morgen des 20. Juni 2007 seinen Vater in der Alsterdorfer Wohnung getötet. Jenen Mann, der, seit Gökhan denken konnte, seine Frau und die vier Kinder in Angst und Schrecken versetzt hatte. "Der Vater führte sich seit zwei Jahrzehnten wie ein Tyrann auf", sagte die Vorsitzende Richterin, "keiner wusste, wann der nächste Gewaltausbruch drohte. Es konnte wegen zu kalten Tees sein oder weil der kleine Sohn die Nase hochzog."
Gökhans Schuldfähigkeit war zum Tatzeitpunkt erheblich vermindert. Ein Freispruch kam dennoch nicht in Frage, so die Richter: "Er hätte versuchen müssen, auf andere Weise aus der Notstandslage herauszukommen. Er ist in Deutschland aufgewachsen und mit dem deutschen Hilfssystem vertraut." Bei der Beerdigung des Vaters hatten dessen Verwandten der Witwe gedroht, ihren Sohn aus Rache zu töten. "Wir nehmen diese Drohungen ernst", begründete die Richterin das Urteil, mit dem eine Abschiebung verhindert wird.