Eine Polizeikelle vom Flohmarkt, ein Leuchtschriftband von Media Markt, ein Dienstausweis aus dem Internet und ein geklauter Wagen - schon wird aus einem Häftling auf Urlaub ein "Autobahnpolizist". Fünf Wochen lang kassierte Knacki Stefano I. (37) als "Polizeihauptkommissar Schlämmer" Autofahrer ab, fischte sogar einen Diplomaten wegen zu schnellen Fahrens aus dem Verkehr. Gestern war Prozessauftakt.
Gedrungene Statur, Raspelfrisur - unauffällig sieht er aus, der falsche Polizist, der zwischen dem 2. Juli und dem 10. August 2007 schätzungsweise 15000 Euro "Bußgelder" kassierte. 20 Straftaten wirft die Staatsanwaltschaft ihm vor, darunter Amtsanmaßung, Diebstahl, Urkundenfälschung.
Der 2. Juli war der erste Tag seines Hafturlaubs. Der gelernte Bäcker saß hinter Gittern, weil er schon 2004 als falscher Polizist Bußgelder kassiert hatte. Als er ein paar Wochen zuvor schon einmal rausdurfte, hatte Stefan I. sich auf dem Flohmarkt eine Polizeikelle gekauft und in einem Schließfach deponiert. Die holte er nun raus, klaute in einem Parkhaus zwei Kennzeichen, und weiter ging's zu einem Peugeot-Händler. Als "Herr von Kornbach" stellte der Häftling sich dort vor, bekam die Schlüssel zu einem Kombi. Flugs klebte er die geklauten Kennzeichen mit doppelseitigem Klebeband dran und fuhr mit dem 15000-Euro-Wagen vom Hof. Nun hatte der Möchtegern-Polizist einen "Dienstwagen", für den er nur ab und zu neue Kennzeichen klauen musste - und legte sich an den Autobahnen rund um Hamburg auf die Lauer.
Nur vier abgezockte Autofahrer haben sich beschwert: "Das ist nur die Spitze des Eisbergs", sagt der Angeklagte: "Ich habe täglich 200 bis 400 Euro eingenommen." Und betont: "Ich habe nur Wagen angehalten, die wirklich zu schnell waren!"
Als er einen tschechischen Diplomaten rauswinkte, beschwerte sich die Botschaft des Landes beim Auswärtigen Amt. Stefano I.: "Mich interessierte, ob der wirklich Diplomat war. Manche kleben sich so ein Schild auf den Wagen und denken, dann können Sie rasen." Auf dem gefälschten Ausweis stand "Bundespolizei". Richter Wolfgang Göhlich: "Sie wissen, dass die Autobahnpolizei Ländersache ist?" Antwort: "Ja, aber für jedes Bundesland einen Ausweis, das ist umständlich."
Am 18. Juli ergaunerte er mit seiner alten Masche einen BMW. Drei Tage später entdeckten Mitarbeiter des Autohauses den Wagen auf einem nahen Parkplatz. Darin: I.s Reisepass, die Polizeikelle, der gefälschte Dienstausweis. "Das war dämlich", stellt er trocken fest. Er bastelte einen neuen Ausweis, "arbeitete" weiter. Am 10. August schnappte die Polizei ihren falschen Kollegen nach einer wilden Amokfahrt. Fortsetzung am 25. April.