Das Auto seiner Kontrahenten bekam vier Kugeln ab, auch in einen Reisebus und in das Tankstellen-Häuschen schlugen Geschosse ein. Die abendliche Schießerei an der Tankstelle am Dammtorbahnhof im März 2008 erinnerte an eine Fehde unter Rotlicht-Größen. Verletzt wurde zum Glück niemand. Seit gestern steht der Schütze vor dem Landgericht.
Der pausbäckige Angeklagte macht auf seriös: Er trägt ein edles Hemd, dazu Jeans und Sakko. Puyan N.-S. (27) wurde im Iran geboren, er ist Student. Vor sieben Jahren hat er mal jemandem ins Bein geschossen, aber seitdem hat er sich nichts mehr zuschulden kommen lassen, wie er sagt.
"Es stimmt, dass ich an der Tankstelle geschossen habe. Und es tut mir leid", sagt Puyan N.-S. zum Richter. Er sei mit drei Männern auf der Tankstelle verabredet gewesen, man wollte etwas klären. Was - das sagt er nicht. "Das wäre zu gefährlich für mich. Mit Rotlicht oder Drogen hat das aber nichts zu tun", behauptet er.
Auf der Tankstelle angekommen, prügeln die drei Männer sofort auf ihn ein. Dann springen sie ins Auto. Puyan N.-S. schießt auf den Wagen, die vier Kugeln prallen ab. Eine weitere Kugel trifft einen Reisebus, eine Insassin (59) erleidet einen Schock. Auch die Tankstelle bekommt etwas ab.
"Warum haben Sie ihnen hinterhergeschossen? Es bestand ja keine Gefahr mehr", fragt der Richter. "Ich wollte sie beeindrucken. Sie sollten wissen, dass ich mich nicht scheue, eine Waffe zu benutzen", sagt der Student. Vier Monate nach der Tat stellte er sich. Der Prozess geht am Donnerstag weiter.