Mit versteinerter Miene nahm Wolfgang Poggendorf (71), einst Alleinherrscher über den Hamburger Tierschutzverein (HTV), das Urteil des Landgerichts auf: zwei Jahre Haft auf Bewährung wegen Untreue in acht Fällen. Außerdem muss er 20000 Euro Geldbuße an den Tierschutzverein zahlen. Die Strafe sei zu mild, fanden einige Vereinsmitglieder im Zuschauerraum. Poggendorfs Anwalt Otmar Kury erklärte, dass sein Mandant das Urteil annehme.
Die Worte der Vorsitzenden Richterin Birgit Woitas waren deutlich: Poggendorf habe seine Machtposition im HTV "schamlos ausgenutzt". Sein Verhalten "grenzte an Größenwahn", und bei seinen Taten habe der Vereinschef eine "gesteigerte kriminelle Energie" entwickelt.
Poggendorf hat dem Verein bisher 235000 Euro zurückgezahlt. Der größte Teil des ergaunerten Vermögens stammt aus Erbschaften, die er sich in die eigene Tasche gesteckt hat. "Sie haben nicht nur das Vertrauen der Menschen in den Tierschutz zerstört, sondern aus purer Geldgier auch den letzten Willen von Verstorbenen missachtet", so die Richterin. Das Motiv dafür sei unklar: "Sie handelten nur zur Verbesserung eines ohnehin hohen Lebensstandards."
Richterin Woitas betonte, dass die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden musste: "Alles andere hätte dem Gesetz widersprochen." Der Angeklagte habe Schadenersatz geleistet, sei unbestraft und habe ein hohes Alter.
Poggendorf hatte nach seinem Geständnis ausgesagt, dass er zusammen mit seiner Frau von 1500 Euro Rente lebe. Die gemeinsame Wohnung gehöre seiner Frau, er zahle ihr Miete. Ihm steht nun noch ein steuerrechtliches Verfahren bevor, außerdem will der Verein zivilrechtliche Ansprüche geltend machen.
Abschließend wandte die Richterin sich an die Hamburger Tierfreunde: "Man kann nur appellieren, diesen ,Einzelfall` nicht zu hoch zu bewerten und das Tierheim weiter zu unterstützen."
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