An jedem Geburtstag wird dieser Vorfall wieder in ihrem Kopf auftauchen. Der 21. Geburtstag einer jungen Frau aus Eutin endete im Hamburger Hauptbahnhof fast mit einer Vergewaltigung. Weil das zierliche Opfer in seiner Angst Bärenkräfte entwickelte, kam es gerade noch davon. Gestern standen die beiden Täter vor dem Amtsgericht St. Georg.
Angeklagt: Faruk T. (23) und Serdar A. (22) aus Bad Oldesloe, zwei Maschinenführer. Sie wohnen noch bei ihren Eltern, mehrfach standen sie bereits wegen Körperverletzung vor Gericht. Serdar A. hatte die Bäckereiverkäuferin Bettina Z. (21, Name geändert) am Morgen des 23. Juni 2007 in einem leeren Zug im Hauptbahnhof begrabscht. Sein Kumpel verfolgte sie durch die Waggons, bedrängte sie, drückte ihr sein Glied ins Gesicht und onanierte. Erst nach zehn Minuten kann die Frau sich losreißen und aus dem Zug springen.
Über seinen Anwalt räumt Faruk T. die Vorwürfe ein und nuschelt eine Entschuldigung. Bettina Z. hatte an dem Tag mit Freunden auf der Kieler Woche in ihren Geburtstag hineingefeiert. Auf dem Weg nach Hause nach Eutin war sie im Zug eingeschlafen und in Hamburg aufgewacht. Im leeren Abteil traf sie dann auf ihre Peiniger.
Unter Tränen berichtet Bettina Z. der Richterin, wie sich ihr Leben seit dem Überfall verändert hat: "Ich kann nicht mehr schlafen, keine Bahnhöfe mehr betreten." Eine Beziehung zu führen sei ihr derzeit unmöglich. Und wenn sie junge Südländer sehe, wechsele sie aus Angst die Straße.
"Was sich da im Zug abgespielt hat, ist ungeheuerlich", so die Richterin. Beide Männer müssen 1800 Euro Geldstrafe zahlen. Faruk T. kommt außerdem mit anderthalb Jahren Haft auf Bewährung und einem Schmerzensgeld von 2000 Euro davon. Zu Bettina Z. sagt die Richterin: "Es gibt keine Strafe, mit der wir das Unrecht, das ihnen geschehen ist, wiedergutmachen können."