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VOR GERICHT

Bewährung für den falschen Staatsanwalt

Der "falsche Staatsanwalt" leidet unter krankhafter Geltungssucht. Diese Diagnose seines Therapeuten bewahrte den smarten Hochstapler Mark M. (30) gestern vor einer Haftstrafe. Amtsrichter Achim Katz verurteilte den notorischen Prahler wegen Urkundenfälschung und Betruges zu zwei Bewährungsstrafen.



Zart gebräunt, coole Sonnebrille - Mark M. legt Wert auf den richtigen Auftritt. Mehr Schein als Sein: Mit seinem zwanghaften Drang nach Anerkennung hat der vorbestrafte Urkundenfälscher es im vergangenen Frühjahr bis in die Staatsanwaltschaft Itzehoe geschafft, narrte dort die Juristen als "Referendar" (MOPO berichtete). Die Sache wird demnächst vor dem Flensburger Amtsgericht verhandelt.



Im Amtsgericht Altona ging es gestern um einen Job als Korrekturassistent an der Uni Hamburg, den Mark M. sich im April 2005 ergaunert hat - mit gefälschtem Abi-Zeugnis vom Gymnasium Hochrad und selbstgebasteltem Ersten Staatsexamen. 350 Euro kassierte er für die Korrektur von Jura-Klausuren. Später holte der vorbestrafte Web-Designer sich den Titel "Diplom-Jurist" ab und bewarb sich um eine Stelle als Tutor. Die Strafe: 16 Monate auf Bewährung.



Außerdem schaltete M., nach eigenen Angaben seit Januar Vater einer Tochter, Stellenanzeigen für eine fiktive Kanzlei, behielt die Bewerbungsunterlagen der "echten" Juristen ein - als Vorlagen für weitere gefälschte Zeugnisse. Strafe: 10 Monate auf Bewährung.



"Der Patient hat ein fast zwanghaftes Bedürfnis, Rollen zu spielen", so sein Therapeut gestern. Tatsächlich hatte Mark M. am ersten Verhandlungstag Richter und Staatsanwältin mit unverhohlenem Stolz auf seine Betrügereien verblüfft: "Meine Aktionen waren ja auch sehr kreativ, und ich hatte Erfolg!" Richter Achim Katz in seiner Urteilsbegründung: "Diese krankhafte Persönlichkeitsstörung wirkt schuldmildernd." Die Krankheit alleine reiche als Begründung für die Taten allerdings nicht aus, so Katz: "Da gehört auch Dreistigkeit dazu."



Die Auftritte bei der Staatsanwaltschaft Itzehoe sind der ganze Stolz des Hochstaplers ("Ich habe bei der Strafrechtsstation zehn Punkte bekommen!").



Richter Katz fand dazu ernüchternde Worte: "Ein Referendar ist zu Beginn seiner praktischen Ausbildung noch sehr unsicher - das kann jeder, der nicht ganz blöd ist und sich ein bisschen was anliest, rüberbringen. Um ein richtiger Jurist zu sein, braucht es eine Menge mehr."

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Datum:  17.5.2006
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Thomas Hirschbiegel

Aufschriften auf Firmenwagen sind immer wieder ein ergötzliches Thema. Jetzt stand ich am Eimsbütteler Markt hinter einem Transporter, auf dem stand: „Vor Ihnen fahren die Maler mit Freude am Beruf.“