Wenn die Ehre gekränkt ist, setzt bei einigen Menschen der Verstand aus. Sogar vor Mord schrecken sie nicht zurück, wie zuletzt im Fall Morsal (MOPO berichtete). Dass so etwas meist im Kleinen anfängt, zeigte gestern ein Prozess im Amtsgericht Altona. Eine Frau zeigte aus Angst ihren Ex-Freund an, der sie aus gekränkter Eitelkeit wochenlang per SMS beleidigte und bedrohte.
Ein halbes Jahr ist Sedat C. (30) mit seiner Freundin Leyla M. (Name geändert) zusammen. Sie sind verliebt, wollen heiraten. Doch dann trennt sie sich von ihm. "Sie hatte das Gefühl, dass meine Familie sie nicht mag. Dabei wollte sie vorher doch, dass ich den Kontakt zu meiner Familie und meinen Freunden abbreche", so der Deutsch-Türke.
Als er rauskriegt, dass Leyla M. einen Neuen hat, läuft er (telefonisch) Amok. Wochenlang bombadierte er die junge Frau mit SMS. Allein an einem einzigen Tag schickt er 18 Stück! Er droht ihr, beleidigt sie, schreibt: "Ich mach' dich fertig du kurdische Schlampe"; "Ich f... deine ganze Familie."; "Ich hau' dir in die Fresse, dass dich kein Mann mehr anschauen wird."; "Es wird Blut fließen am Ende."; "Nimm mich ernst, sonst werden wir es beide bereuen."; "Lass uns uns treffen, wenn du Mumm und Ehre hast."
Der Richter ist schockiert. Am meisten darüber, dass Sedat C. die Trennung zu einer Frage der Ehre macht und die Familie da mit reinzieht: "Wie so etwas enden kann, liest man ja in der Presse", so der Richter. Doch Sedat C. will sich dazu nicht äußern, sagt nur: "Die Frau gehört zur Ehre und Stolz dazu!", man könne das also nicht voneinander trennen.
Der Richter belässt es bei 2000 Euro Geldstrafe. Auch, weil Sedat C. die junge Frau seit der letzten SMS im September 2007 nicht mehr belästigt hat.