Wie eine besengte Sau brach ein Wildschwein mitten in Volksdorf durch ein berstendes Bürofenster und wütete dort in den Räumen einer Consulting Firma. Die Polizei brauchte 17 Schuss, um das Tier zu erlegen. Die junge Sau war nicht allein. Sie gehörte zu einer Rotte von mindestens 14 Wildschweinen, die am Abend offenbar orientierungslos im beschaulichen Volksdorf einfielen. Die Bilanz des „Amoklaufs“: Ein Tier wurde erschossen, drei ertranken und eins wurde von der U-Bahn überfahren.
Die Tiere waren am Freitagabend offenbar aus Ahrensburg oder dem Duvenstedter Brook gekommen und dort durch irgendetwas in Alarm versetzt worden. Sie rannten in die falsche Richtung und verfransten sich völlig. Fünf von ihnen liefen auf den noch leicht zugefrorenen Allhornsee. Drei brachen ein und ertranken, die anderen beiden rannten in Panik weiter und gelangten auf die Eulenkrugstraße zwischen den Verkehr. Eins von ihnen raste dann in die Büroscheiben. Es riss PCs und Telefone von den Tischen und rannte immer wieder gegen Scheiben aus Sicherheitsglas. Die Polizei versuchte, es mit einer MPi zu erschießen – erfolglos trotz 13 Schuss! Es musste erst ein Jagdgewehr angefordert werden, um das Tier dann mit vier Schüssen zu töten.
Knapp eine Stunde später tauchten acht der Borstentiere aus dem Rudel plötzlich in der U-Bahn-Station Buchenkamp auf. Sie liefen durchs Gleisbett, ein Tier wurde von einem Zug angefahren, für mehr als eine Stunde musste der Strom auf den Gleisen abgestellt werden. Die Bahn entgleiste aber nicht. Erst im Januar war bei einem ähnlichen Unfall ein Zug bei Ohlstedt entgleist (MOPO berichtete). Und wenige Tage später musste die Autobahn bei Stade gesperrt werden, weil sich dort sechs Wildschweine herumtrieben.
„Wildschweine sind eigentlich nicht aggressiv, aber hier waren sie in absoluter Panik“, sagt Revierjagdmeister Olaf Nieß. Er glaubt nicht, dass die Tiere auf Futtersuche waren, sie hätten sich vielmehr verirrt. Das Schwarzwild vermehrt sich in Hamburg und Umgebung prächtig. Es gibt ein üppiges Nahrungsangebot (Mais), sie haben keine Feinde und viele Ruhezonen. Dabei schießen die Hamburger Jäger pro Jahr rund 230 Wildschweine. Trotzdem gibt es immer mehr. In der Fischbeker Heide graben die Tiere nachts reihenweise Gärten um. Nieß: „Eigentlich kommen aber die Wildschweine nicht uns immer näher, sondern wir dringen mit der Wohnbebauung immer mehr in ihre Gebiete.“
Foto von Florian Büh