Früher waren Verbrecher einfach nicht so brutal", sagt Senior-Chef Hellmut Wempe, wenn er an die legendärste Episode seiner 131-jährigen Firmengeschichte denkt. 1929 hatten Räuber bei einem Überfall auf den Traditionsuhrmacher Ware im Wert von 30000 Reichsmark erbeutet. Doch statt die Polizei ermitteln zu lassen, griff der damalige Patriarch Herbert Wempe zur Selbsthilfe. In einer Annonce bot er den Dieben an, den Schmuck zurückzukaufen. Die geheime Übergabe im Stadtpark gelang. Ein skurriler Deal, der als Vorlage für Hans Falladas berühmte Novelle "Wer einmal aus dem Blechnapf frisst" in die Literaturgeschichte einging.
In einer neuen TV-Serie über "Norddeutsche Dynastien" beleuchtet der NDR ab 12. Mai (immer dienstags um 21.45 Uhr) die Firmengeschichte der Familien Wempe, Berentzen (Spirituosen) und Spethmann (Tee). Vor allem eine Frau hat dabei gezeigt, dass Nachfolger eines Traditionsunternehmens mit der Zeit gehen können: Kim-Eva Wempe (46), derzeitige Chefin des Juwelier-Imperiums mit 242 Millionen Euro Umsatz und 25 Niederlassungen weltweit. Die zweifache Mutter führt die Hamburger Schmuck-Institution in vierter Generation, erhielt den Preis als "Unternehmerin des Jahres 2007". Eigentlich wollte sie Ballett-Tänzerin werden, später Hippie, dann machte die damals einzige Erbin einen sechsmonatigen Gärtnerei-Exkurs - und entdeckte schließlich doch ihren Spaß am Familienunternehmen, das bis heute die deutsche Nummer eins im Juwelen- und Uhrenhandel ist. Kim-Evas Söhnchen Scott machte derweil schon als Sechsjähriger einen "Vertrag" darüber, dass er später auch mit Uhren handeln will. Unterschrieben hat der Knirps mit einem Fingerabdruck. Auch die Zukunft der Wempe-Dynastie scheint also gesichert.