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Alida Gundlach kämpft sich zurück

Ex-TV-Moderatorin Alida Gundlach (66)

Foto: dpa

Mehr als 17 Jahre prägte sie die "NDR Talk Show". Markenzeichen: das Lachen! 2006 bekam Alida Gundlach Lust auf neue Projekte, entwickelte das Bühnenmusical "Dreamicals", trat damit im Schauspielhaus auf. "Ich hatte Power wie noch nie", sagt die 66-Jährige heute. Doch mitten in der Tournee traf sie der Hörsturz: Notarzt, Klinik, Reha, vier Monate lang.



"Das Gleichgewichtszentrum im Ohr war defekt, ich hatte ständigen Schwindel und andauernde Übelkeit", erzählt Gundlach. Jede Nacht stand ein Eimer neben ihrem Bett. Bis heute kann sie auf dem rechten Ohr fast nichts hören. "Zu den körperlichen Beschwerden kamen die schrecklichen Schuldgefühle, weil ich das ganze Show-Ensemble im Stich gelassen habe." Das Schreiben wurde zur Rettung. Gundlach entwickelte ein Buch, Titel: "Miteinander oder gar nicht" (SüdwestVerlag) eine realistische Vision, wie Generationen voneinander profitieren können. Heute Abend stellt sie es im Literaturhaus vor.



"Ich glaube, dass es für die Zukunft angesichts der Wirtschaftssituation,der Klimabedrohung und allen Alltagssorgen nur miteinander geht. Man muss seine Kräfte bündeln. Ich will Brücken zwischen den Generationen bauen", sagt die Autorin, die eine Mischung aus Sachbuch und Autobiografie verfasste, dafür Experten wie Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen interviewte. Gundlachs eigener Werdegang gab den Anstoß. Aufgewachsen in einem multikulturellen Mehrgenerationenhaushalt, halfen ihr Optimismus und Zusammenhalt einst nach dem Tod ihrer kleinen Tochter und einer Krebserkrankung aus der Krise.



"Ich finde es traurig, dass in unserer Gesellschaft die Gefühle im Kleinen verkümmern und sie stattdessen nur noch kollektiv ausgelebt werden. Die Leute lachen über Mario Barth im Stadion und sie weinen über Robert Enkes Tod im Stadion. Wenn Menschen im Privaten nicht mehr über Dinge sprechen, sich dafür aber im Fernsehen oder online ausbreiten, wenn sie ganz andere Ventile suchen, weil sie miteinander den Weg verloren haben, finde ich das erschreckend."



Die Entertainerin konkretisiert in ihrem Buch deshalb Modelle, die das Schaffen von Netzwerken leichter machen. "Ich selbst habe neben meinen zwei eigenen Kindern zum Beispiel noch fünf ,fremde Kinder`. Das sind junge Menschen, die ich fördere, für die ich ein Weichensteller in ihrem Leben war, und die auch mein Leben prägen. Das Leben mit den Generationen ist mein Alltag." Gemeinsam soll Gundlachs Rückkehr ins pralle Leben jetzt gebührend gefeiert werden.

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Datum:  24.2.2010
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