Es war ruhiger geworden um Sibel Kekilli. Doch nach dem Dieter-Wedel-Film "Gier" kehrt die Hamburgerin jetzt als "Die Fremde" (Favorit für die Berlinale-Auswahl, Kinostart 11. März) auf die Kinoleinwand zurück. In dem Drama von Regisseurin Feo Aladag spielt Kekilli eine junge Türkin, die versucht, sich aus den Zwängen ihrer traditionell lebenden Familie zu befreien.
"Wenn ich von dem Thema keine Ahnung hätte, hätte ich diesen Film gar nicht spielen können", sagt die 29-Jährige, die sich auch mit dem Thema Ehrenmord auseinandersetzt. "Das Problem geht nicht erst bei einem Mord los, sondern viel früher", sagt Sibel jetzt in "Brigitte". "Ich habe mitbekommen, dass sich manche türkische Mädchen in der Schule umgezogen und geschminkt haben, dass sie lügen mussten, um ihren Freund zu treffen. Zu Hause trägt man meistens eine Maske, weil keiner wissen darf, wie es einem wirklich geht."
Der Film "Die Fremde" zeigt die innere Zerrissenheit der Familien. "Ich wünsche mir, dass Deutsche versuchen zu begreifen, anstatt nur zu verurteilen, und dass Türken versuchen, die Position der Töchter zu verstehen. Alle müssen sich bewegen", so Kekilli. "Die Türken kapseln sich ab, weil sie denken, die Deutschen wollen ihnen ihr Leben aufzwingen, und die Deutschen sagen, die Türken sind reaktionär. Ab und an wird eine Ehrenmord-Geschichte als Sensation ausgeschlachtet, damit alle empört sagen können: Dass das immer noch passiert! Aber warum passiert es denn? Weil wir jahrelang weggeschaut haben und immer noch wegschauen."
Sibel sieht sich als Beispiel für andere türkische Frauen: "Wer stark ist und kämpft, kann sein eigenes Leben leben."